Porträt

Fahrsport extrem

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Bei Daniel Schneiders dreht sich alles ums Fahren. (Foto: S. Rohlfing)

Innerhalb kürzester Zeit hat sich Daniel Schneiders aus dem Kreis Minden-Lübbecke mit größtem Ehrgeiz und eiserner Disziplin zu einem der deutschen Top-Vierspännerfahrer hochgearbeitet. Der Hufschmied aus Petershagen hat nur eines im Sinn: Fahren

Er hatte gerade einmal ein halbes Jahr, um das „Unternehmen Vierspänner-Weltmeisterschaft Großpferde“ vorzubereiten. Die Zeit hat aber gereicht. Bei seinem WM-Debüt in Riesenbeck glänzte Daniel Schneiders aus Petershagen mit Rang 16 in der Gesamtwertung und als viertbester deutscher Fahrer. Damit gelang dem Westfalen, der im letzten Jahr noch in der Kategorie Ponys am Start war, ein furioser Karrieresprung.
„Die Chance, dass Deutschland als Gastgeber neun Fahrer nach Riesenbeck schicken durfte, wollten wir unbedingt nutzen“, sagt Daniel Schneiders. Das „Wir“ meint er wörtlich. „Fahren ist Teamsport“, stellt der Sportler aus Petershagen gleich im ersten Satz heraus. Zu seinem Team gehören sein Bruder Dennis Schneiders und Beifahrerin Marlene Schröder und Juliane Schröder.

Im Training ein- und zweispännig

Auf das Ziel Vierspänner Weltmeisterschaft im eigenen Land hatte das Team die komplette Saison und das Training der Pferde ausgerichtet. Dass jemand Daniel Schneiders Pony-Vierergespann kaufen wollte, kam begünstigend hinzu. Vor etwa einem halben Jahr wurden 13 Großpferde gekauft, darunter Sechsjährige und auch ältere bis zu 15 Jahren, alles Pferde mit Erfahrungen vor der Kutsche, aber mit ganz unterschiedlichem Ausbildungsstand. „Von diesen 13 haben sich sechs herauskristallisiert, die dann gezielt auf die Weltmeisterschaft gearbeitet wurden“, erläutert Daniel Schneiders, der im Training hauptsächlich auf ein- und zweispänniges Fahren setzt. „So lassen sich die Pferde am schnellsten gymnastizieren“, hat der 31-Jährige festgestellt.
Die Dressur zählt zu Daniel Schneiders Favoriten in der kombinierten Wertung. „Die schlimmste Prüfung ist der Vet-Check“, gesteht der Fahrer. Man wisse, dass die Pferde fit seien, sei aber unsicher, ob sie sich vor Tierarzt und Richtern auch so in ungewohnter Umgebung präsentieren würden. In Riesenbeck hatte er für die Dressur Anesco, Red, Spirando und Ulco, vier Niederländische Warmblüter angespannt. Im Gelände ersetzt Cabus, ein Brauner mit Vollblutanteil, als Vorderpferd einen der Füchse mit den hochweißen Beinen.

Als Senkrechtstarter wurde Daniel Schneiders in Riesenbeck betitelt. Das trifft es auch, findet der Fahrsportler – trotz seiner bisherigen Erfolge. Unter anderem gewann er bei den Weltmeisterschaften 2009 Gold mit dem Pony-Zweispänner und 2011 Bronze mit dem Pony-Vierspänner. Er kenne Ponyfahrer, so Schneiders, die vor ihm Weltmeister waren und bei denen der Umstieg länger gedauert oder gar nicht geklappt habe.
„Ich bleibe bei Pferde-Vierspännern, bis ich eine Einzelmedaille gewonnen habe, dann suche ich mir ein anderes Hobby“, sagt Daniel Schneiders und schmunzelt. Ernst gemeint war das nicht. Bei den Ponyfahrern gehören etwa fünf zur Spitzengruppe, die abhängig von Tagesform die Chance auf eine Medaille haben. Mit dem Pferde-Vierspänner könne er auf ganz anderen Veranstaltungen fahren, zum Beispiel in Aachen oder Windsor. Ins Auge gefasst hat er die Europameisterschaften in Budapest 2013 und als Langziel die Weltreiterspiele in der Normandie 2014 sowie Aachen 2015. Dann werden dort die Europameisterschaften im Fahren gemeinsam mit Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Voltigieren ausgetragen.

Sonja Rohlfing

Lesen Sie den kompletten Beitrag in der Ausgabe 10/2012 von Reiter & Pferde in Westfalen.