Ausbildung

Völlig in der Spur

Eine gute Übung zur Geraderichtung ist ein korrekt gerittenes Schulterherein. (Foto: A. Jandke)

Jedes Pferd hat eine Schokoladenseite. Scheinbar alles fällt ihm auf dieser Seiter leichter, sieht harmonischer aus. Aber warum gibt es von der Schokoladenseite immer nur eine? Warum funktionieren Lektionen beispielsweise links besser als rechts? Dahinter steckt ein komplexes Thema: Dysbalancen. Die so oft beschriebene „natürliche Schiefe“ des Pferdes ist dabei nur ein Teil des Ganzen, aber ein entscheidender.
Von Natur aus trägt das „Gerüst Pferd“ sein Gewicht nicht auf allen vier Beinen gleich verteilt. Zwei Beine tragen etwa gleich viel Gewicht, eines nur wenig, das vierte – meist vorne rechts – die Hauptlast. Beim Reiten ist dann von einer hohlen (oft links) und einer festen Seite die Rede. Um aber Überlastungen vorzubeugen, lautet das Ziel: Das Pferd geraderichten, damit sich das Gewicht gleichmäßiger links und rechts, vorne und hinten verteilt.
Schiefe Gewohnheiten
Für den Dressurausbilder Sebastian Heinze spielen neben dieser natürlichen Schiefe, die sich bei jedem Pferd aus seiner Lage im Mutterleib entwickelt hat und unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, auch Gewohnheiten eine Rolle.
„Wir führen das Pferd von links, steigen von links auf, fangen auf der linken Hand an zu longieren oder loszureiten“, sagt er. Links werde zur geübteren Seite, so wie es uns als Rechtshändern deutlich leichter fällt, mit rechts die Zähne zu putzen, weil wir es in der Regel mit links nie üben. Sebastian Heinze achtet deshalb darauf, möglichst beide Seiten des Pferdes anzusprechen, und beispielsweise beim Longieren auch mal rechts zu beginnen. Er möchte Gewohnheiten schon früh durchbrechen. Noch ehe er anfängt, das Pferd zu gymnastizieren, geradezurichten, in Balance zu bringen.
Dafür muss der Reiter zunächst erspüren, auf welcher Seite das Pferd schief ist. Er muss auch sich selbst – deshalb ist dieses Thema so komplex – hinterfragen: Sitze ich gerade und unabhängig? Habe ich selbst Dysbalancen, die das Ungleichgewicht des Pferdes verstärken?
Die natürliche Schiefe beim Pferd zu fühlen, ist relativ simpel: Man lässt es am hingegebenen Zügel ganze Bahn Schritt gehen und achtet darauf, wohin die Hinterbeine fußen – in die Spuren der Vorhand oder daneben –, wohin das Pferd von sich aus seinen Kopf richtet oder ob es in der Wendung auf einer Hand nach innen drängt. Bei angenommenem Zügel lässt das Pferd sich auf der strammen Seite weniger leicht stellen und biegen, legt sich im Extremfall sogar auf den Zügel. Dagegen erscheint der Kontakt mit dem Zügel der hohlen Seite eher zu lose, zu sensibel.

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