Ausbildung

So wird es ein Vielseitigkeitspferd!

Um dem jungen Pferd die Angst vor Unbekanntem zu nehmen, ist ein erfahrenes Führpferd eine große Hilfe. (Foto: A. González)

R&P: Welche natürlichen Anlagen sollte ein zukünftiges Vielseitigkeitspferd Ihrer Erfahrung nach mitbringen?
Carola Bierlein: „Wichtig bei einem Vielseitigkeitspferd ist eine gute Kooperationsbereitschaft, eine gewisse Elastizität und ein Körper, gegen den es in allen drei Disziplinen nicht anarbeiten muss. Es gibt sehr unterschiedliche Pferdetypen, die erfolgreich sind.  Ordentliche Bewegungen, ein schnelles Vorderbein und ausreichend Springvermögen sollten sie haben, gleichzeitig sollten die Pferde allgemein leichtfüßig sein. Wenn man sie galoppieren hört, halten sie nicht, war eine alte Expertenmeinung. 25 % Vollblutanteil wäre wünschenswert, wenn das Pferd später im schweren Sport laufen soll. Für die leichteren Klassen ist das gar nicht mal unbedingt nötig, dort sind auch Pferde mit weniger oder ohne Vollblutanteil durchaus erfolgreich.“    

R&P: Welche Ausbildungsschritte stehen wann an?
Carola Bierlein: „Wie bei allen jungen Pferden finde ich es sinnvoll, sie dreijährig anzureiten, aber nur so weit, dass sie mit Reiter brav rechts- und linksherum gehen. Anschließend sollte man ihnen noch einmal eine Weile Urlaub auf der Jungpferdeweide gönnen. Pferde erst vierjährig anzureiten, macht es manchmal schwieriger, weil sie dann oft schon etwas halbstark werden. Im Frühjahr, wenn sie vierjährig sind, kann man dann beginnen, die dreijährig angelernten Youngster regelmäßig zu reiten.
Wir machen es folgendermaßen: Koppelgang jeden Tag, jeden zweiten Tag etwas Arbeit. Dabei reiten wir große Linien, wagen schon mal kleine Ausritte mit einem erfahrenen Führpferd und machen das Pferd dabei mit den Reiterhilfen vertraut. Gegen Ende der Saison kann man, wenn alles gut funktioniert, schon mal eine Eignung oder Springpferdeprüfung anvisieren und die Pferde mit den ersten Geländesprüngen vertraut machen.
Über den Winter geht es dann vor allem mit Rittigkeitsübungen weiter, und mit fünf sind sie dann zwar immer noch Kinder, aber schon in der Schule und nicht mehr im Kindergarten. Dann können im Frühjahr Jungpferdeprüfungen in Angriff genommen werden.  Wir reiten dann meist Springpferdeprüfungen der Klasse A oder Eignungsprüfungen mit Geländeteil.“

R&P: Wie weit sollte das Pferd dressurmäßig ausgebildet sein, bevor man mit dem Springen beginnt?
Carola Bierlein: „Im Rahmen der vielseitigen Ausbildung können kleine Sprünge, Cavaletti und Bodenwellen möglichst früh eingebaut werden. Gerne aus dem Trab und natürlich erst dann, wenn lenken, Gas und Bremse so ungefähr funktionieren.
Es ist dabei natürlich gar nicht nötig und auch nicht erwünscht, dass die Pferde perfekt am Zügel gehen, man kann ja auch eine leichte, gleichmäßige Anlehnung und Verbindung zwischen Hand und Bein haben mit längerem Hals und höherer Nase. Um aus dem Galopp zu springen, bedarf es schon etwas weitergehender dressurmäßiger Ausbildung. Grundsätzlich und immer gilt, dass die Ausbildung strikt nach der Skala der Ausbildung erfolgen sollte.
Die Skala gibt in jeder Arbeitsstunde und auch in jeder Etappe der Ausbildung die Richtung vor. Takt und Losgelassenheit werden auch bei dem ganz jungen Pferd immer angestrebt.
Ich beobachte oft, dass Reiter junge Pferde zu früh zu stark biegen wollen. Das sollte man erst beginnen zu erarbeiten, wenn sie freudig vorwärts gehen und in der geraden Linie die Balance halten können. Ein gutes Merkmal ist, ob sie gut am äußeren Zügel geführt werden können. Auch über dem Tempo zu reiten ist schädlich, denn auch dann fällt es den jungen Pferden noch schwer, die Balance zu halten.“

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