Gesundheit

Infektionskrankheiten erklärt

Eitriger Nasenausfluss ist ein Symptom der Druse. Foto: Tierärztliches Kompetenzzentrum Karthaus

Rotavirus-Infektion
Rotaviren sind die häufigsten Erreger von Durchfallerkrankungen bei jungen Saugfohlen. Die Viren sind in der Pferdepopulation weit verbreitet und hoch ansteckend. Klinische Symptome verursachen sie jedoch lediglich bei Fohlen, die meist unter vier Wochen alt sind.

Die Ansteckung erfolgt durch die Aufnahme von infektiösem Kot anderer Fohlen oder der Mutterstute, wodurch die Viren in den Darm gelangen und dort zur Entzündung und Zerstörung von Darmzellen führen. Die Folgen sind teils wässriger Durchfall, Kolik, Fieber, Trinkunlust sowie Verschiebungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt.

Bei vielen Fohlen ist ein stationärer Aufenthalt in der Klinik inklusive Intensivtherapie erforderlich. Die Prognose für sie ist jedoch gut, die meisten Fohlen erholen sich innerhalb von wenigen Tagen. Um den Schweregrad und die Dauer der Erkrankung zu reduzieren, gibt es einen wirksamen Impfstoff, der den tragenden Stuten im 8., 9. und 10. Trächtigkeitsmonat verabreicht wird.

Die Fohlen nehmen den Immunschutz dann in Form von Antikörpern mit der Biestmilch auf. Fohlen aus geimpften Stuten haben ein deutlich niedrigeres Risiko an Durchfällen zu erkranken und scheiden nahezu keine Rotaviren aus.

Rhodococcus equi
Eine Rhodokokken-Infektion wird durch das Bakterium Rhodococcus equi ausgelöst und betrifft meist Fohlen in einem Alter von drei Wochen bis sechs Monaten. Die Erkrankung kann in bestimmten Betrieben endemisch sein (das bedeutet, dass sie gehäuft in dieser Population auftreten) und zu Ausbrüchen führen, aber auch sporadisch auftreten. Die Bakterien überleben im Boden. Bei einer hohen Belegung der Flächen und sandigem staubigem Boden ist die Übertragungsgefahr besonders hoch.
Es kommt in erster Linie zu einer Lungenentzündung mit Abszessbildung, in seltenen Fällen kommt es zu Durchfall, Polyarthritis (Entzündung mehrerer Gelenke) oder Uveitis (Augeninnenentzündung). Eine aktive Impfung gegen diese Krankheit ist nicht auf dem Markt. Eine passive Immunisierung der Fohlen von endemischen Betrieben (Gabe von Antikörpern) kann durch die Infusion eines Hyperimmunplasmas innerhalb der ersten Lebenstage erreicht werden und somit das Auftreten sowie den Schweregrad vermindern. Wissenschaftliche Studien unterscheiden sich in der Belegung der Wirksamkeit dieser Hyperimmunisierung.

Druse
Die Druse ist eine typische „Kinderkrankheit“ und wird durch das Bakterium Streptococcus equi equi ausgelöst. Die Erkrankung ist hochansteckend und kann durch eine Tröpfcheninfektion, aber auch durch kontaminierte Gegenstände/Kleidung übertragen werden. Die Bakterien dringen über die Schleimhäute von Nase und Rachen in den Körper ein und führen zu einer Entzündung der Lymphknoten im Kopfbereich. Betroffene Pferde zeigen Fieber, eitrigen Nasenausfluss und häufig eine schlechte Futteraufnahme. Eine Isolation erkrankter Pferde ist unbedingt nötig, um die Ausbreitung im Bestand zu verhindern.

In unkomplizierten Fällen kommt es zur Abszedierung (Eröffnung) der Lymphknoten und zur Ausheilung. Es kann jedoch in seltenen Fällen auch zu Atemnot, Lungenentzündung, Vereiterungen der Luftsäcke oder zu Streuung der Bakterien in andere Körperlymphknoten (z. B. in der Bauchhöhle) kommen, was zum Tod führen kann.

In Europa gibt es einen zugelassenen Impfstoff gegen Druse, der gesunden Pferden in die Schleimhaut der Oberlippe verabreicht wird. Eine Garantie zur Verhinderung der Erkrankung gibt es nicht. Die Impfung kann in häufigen Fällen zu Nebenwirkungen wie Schwellung an der Injektionsstelle, Fieber oder Schwellung und Abszedierung von Kopf- und Halslymphknoten führen.

Diese Vakzine sollte ausschließlich als Notfallmaßnahme zur Verringerung der klinischen Symptome bei gesunden, aber akut infektionsgefährdeten Pferden im Einzelfall angewendet werden. Die prophylaktische Impfung nicht akut infektionsgefährdeter Tiere wird nicht empfohlen. Eine Impfung darf nicht bei unbekanntem Antikörper-Titer verabreicht werden, da die Impfung dann zu Nebenwirkungen wie immunologischen Reaktionen führen kann. Die Dauer der Immunität ist kurz, sodass die Impfung alle drei Monate wiederholt werden muss. An einem neuen Druse-Impfstoff namens Strangvac wird bereits seit einiger Zeit geforscht. Er soll in Kürze auf den Markt kommen und verspricht eine gute Immunität gegen die Erkrankung. Jedoch soll auch bei diesem Impfstoff die Dauer des Schutzes nur kurz sein.

West-Nil
Das West-Nil-Virus wird durch Stechmücken übertragen. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Zoonose, das heißt, dass die Erkrankung auch auf den Menschen übertragen werden kann, jedoch nur von der Stechmücke und nicht vom Pferd.

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