Gesundheit

Kraftfutter für Aufzuchtpferde

Gesundheit 1213 Aufzuchtfutter
(Foto: W. Plögel)

Allerdings ist die Beifütterung abhängig von zahlreichen Parametern wie etwa die Milchleistung der Mutterstute (bei Saugfohlen), Aufwuchs und Pflanzenzusammensetzung des Grünlands, Nährstoff- und Energiegehalt des Grundfutters (= Heu), medizinische Aspekte (z. B. Wurmbefall), Haltungsbedingungen (inklusive Bewegungsdynamik), Fressverhalten, Gewicht und Rasse, um nur die wichtigsten zu nennen. Folglich können keine allgemein gültigen Fütterungsvorgaben, sondern lediglich richtungsweisende Anhaltspunkte und Empfehlungen gegeben werden, die – wie beim adulten Pferd – individuell angepasst werden müssen. Alle Angaben beziehen sich auf das Deutsche Warmblut.

Welches Kraftfutter für welche Altersgruppe?

Bedingt durch das rasante Wachstum in den ersten sechs Lebensmonaten verlangt der heranreifende Organismus ein deutliches Plus an hochwertigen Eiweißen (= Baustoffe). So beträgt das Verhältnis von verdaulicher Energie und verdaulichem Rohprotein bei drei bis sechs Monate alten Saugfohlen 1:9, für erwachsene Pferde aber nur 1:5. Dabei kann der Energie- und Eiweißbedarf des Fohlens nur die ersten vier Wochen über die Stutenmilch voll abgedeckt werden.

Danach wird es problematisch: „Bezüglich der Energieversorgung bei Saugfohlen kritisch zu betrachten sind der zweite und dritte Lebensmonat, wenn intensiv wachsende Fohlen noch kaum Beifutter (Gras, Heu) aufnehmen und der Energiebedarf nicht mehr allein durch die Milchaufnahme gedeckt werden kann“, so Tierärztin Dr. Christine Hois in ihrer „Feldstudie zur Gewichtsentwicklung und Gewichtsschätzung beim wachsenden Pferd“.
Das sei besonders in früheren Zeiten ein großes Problem gewesen, welchem man durch die Zufütterung von Walzhafer zu begegnen versuchte. „Allerdings ist der Magen-Darm-Trakt des Fohlens nicht ausreichend auf diese Stärkemenge des Hafers ausgelegt, wodurch es häufig zu Problemen kam“, so Dr. Christine Hois.

Außerdem reiche der Eiweiß-, Calcium- und Vitamingehalt von Hafer nicht aus. Viele Fütterungsexperten empfehlen deshalb Kraftfutter-Kombinationen aus Hafer und speziellem Fohlenfutter. Diese Ergänzungsfutter wie Fohlenstarter, Miniatur-Pellets oder Fohlenmüsli sind speziell auf Fohlen und Absetzer abgestimmt.

Das hat allerdings seinen Preis: So liegt dieser aktuell zwischen 0,90 bis 1,40 € pro Kilogramm (Durchschnittspreis ca. 1,15 € pro kg). Zum Vergleich: Hafer kostet 2013 im Agrarhandel um 35 Cent pro Kilo, beim Landwirt nochmals die Hälfte weniger (um 20 Cent/kg).

Ergänzungsfuttermittel für Fohlen sind hochverdaulich, besonders wohlschmeckend und enthalten neben speziellen Mineralstoffen und Vitaminen vor allem auch hochwertige Aminosäuren für die Entwicklung von Knochen und Muskeln. Durch hydrothermisch aufgeschlossene Getreideflocken, Leinsamen und Pflanzenöle ist beispielsweise Fohlenmüsli leicht verdaulich und schonen das noch nicht voll entwickelte Verdauungssystem.

Das Mehr an Proteinen (15 bis 18 % verdauliches Rohprotein) wird in der Regel durch Beimischen von Sojaextraktionsschrot erreicht. Die verdauliche Energie liegt durchschnittlich bei 13 Megajoule pro Kilogramm Futter.

Nach dem zwölften Lebensmonat ist die Hauptwachstumsphase (ca. 60 % des Endgewichts) abgeschlossen. Da Jungpferde im zweiten und dritten Lebensjahr nicht mehr so schnell wachsen, muss die Protein- und Energiezufuhr angepasst werden. Auch für Ein- und Zweijährige gibt es spezielles Aufzuchtfutter mit einem geringeren Protein­gehalt (8 bis 10 % verdauliches Roh­protein) sowie Mineralstoff- und Vitaminzusätze, die den Bedarf für diese Altersgruppe ausreichend abdecken.

Der Energiebedarf wird z. T. über Pflanzenöle gedeckt, um die Kohlenhydratbelastung durch Getreidestärke zu reduzieren. Auch dieses Spezialfutter kann pur oder ergänzend zu Hafer ­gefüttert werden. Durch den geringeren Eiweißbedarf kann nach Ansicht einiger Ernährungsexperten auch nur Hafer vergeben werden. So plädiert beispielsweise die Tierärztin, Mikrobiologin und Futterspezialistin Dr. Dorothe Meyer von der Firma Iwest für Hafer als schonendstes Kraftfutter.

Der hohe Anteil an Spelzen sorge für eine maximale Auflockerung des Nahrungsbreis, außerdem würden 80 % der Haferstärke bereits im Dünndarm abgebaut. Hafer enthalte darüber hinaus viele Schleimstoffe, die die Wände des Verdauungstrakts schützten. Allerdings darf nur einwandfreier Hafer verfüttert werden, Walzhafer sollte möglichst täglich frisch gequetscht werden.
Besteht das Kraftfutter nur aus Hafer, muss ein vitaminisiertes Mineralfutter beigefüttert werden, welches speziell auf den Bedarf an Mikronährstoffen von Jungpferden angepasst ist. Beim Kauf sollte man auf ein breites Calcium-Phosphor-Verhältnis (5:1) achten, das den Phosphorüberhang des Hafers ausgleicht. Handelsübliche Mineral-Lecksteine eignen sich für die Aufzucht wegen des geringen Calciumgehalts sowie der unkontrollierbaren Aufnahme einzelner Tiere nicht, und bei Fohlen unter fünf Monaten kann der hohe Salzgehalt Durchfall auslösen.

Birgit van Damsen
Lesen Sie den kompletten Artikel in der Ausgabe 12/2013 von Reiter & Pferde in Westfalen.