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Als erste Frau

Sara Kemper mit ihrem Stationshengst Pascavello. Foto: S. Gregg

Sara Kemper arbeitet seit neun Jahren im NRW Landgestüt. In diesem Jahr hat die 28-Jährige erstmals die Leitung einer Deckstelle übernommen – als erste Frau überhaupt. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit, deren besondere Herausforderungen und Frauenbilder.

„Seit Februar sind Sie auf der ­Deckstelle Espelkamp tätig. Wie sieht Ihr Alltag aus?“
Sara Kemper: „Abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere, obschon ich nur einen Hengst mit auf der Station habe. Morgens bewege ich Pascavello. Er ist schon 21 Jahre. Longieren, Paddock oder Grasenlassen stehen neben dem Putzen auf unserem Programm. Telefonisch bin ich erreichbar, sodass ich morgens häufig schon ein paar Telefonate führe und mit Züchtern spreche. Über Mittag erledige ich Schreibarbeit in meiner Wohnung, arbeite Bestellungen ab und kümmere mich um die Samenverwendungsnachweise. Nachmittags bringt der Kurier den bestellten Samen, der von den Züchtern abgeholt oder von mir zu den Stuten gebracht wird. Gegen Abend schaue ich mir gerne noch Fohlen von unseren Hengsten an.“

„Der Kontakt zu den Züchtern ist also nach wie vor rege?“
S. Kemper: „Ganz wie der Züchter es möchte. Ich finde es hochinteressant, die Fohlen zu sehen. So ist es leichter, weitere Züchter zu beraten.“

„Glauben Sie, dass Sie bei den ­Züchtern einen schwereren Stand haben, weil Sie die erste Frau auf einer Deckstelle sind?“
S. Kemper: „Im persönlichen Kontakt überhaupt nicht. Aber ich bekomme manchmal mit, dass einige lieber mit einem Kollegen aus Warendorf sprechen. Viele Züchter denken, dass sie es aus ihrer Erfahrung heraus besser wissen. Das ist vollkommen in Ordnung, aber dennoch freue ich mich, wenn Züchter meine Meinung hören möchten.“

„Was bedeutet es für Sie, als erste Frau eine Deckstelle zu leiten?“
S. Kemper: „Eine eigene Deckstelle zu haben ist für mich etwas ganz Besonderes. Aber damit hat mein Geschlecht nichts zu tun. Es geht um meine Arbeit, nicht um mehr.“

„Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit im Landgestüt von der auf anderen Pferdebetrieben?“
S. Kemper: „Ich habe vor meiner Ausbildung ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf einem Arabergestüt verbracht. Dort gab es Stuten, Fohlen und auch Hengste. Das war im Vergleich bunter, freier. Mit den Hengsten muss es nach Plan gehen, man muss aufpassen und genau wissen, was man tut.“

„Was haben Sie von den Hengsten im Landgestüt gelernt?“

S. Kemper: „Allen voran Geduld, aber auch Durchsetzungsvermögen. Man muss sich bei den Hengsten behaupten können, wenn sie einen austesten. Sonst kann es gefährlich werden. Dabei sind unsere Hengste schon sehr gut erzogen.“

Lesen Sie den kompletten Artikel in der Ausgabe 08/2018 von Reiter & Pferde in Westfalen.