Das Thema

So wird die Weide wieder schön

Nachsaat kann, abhängig vom Standort, auch im Herbst noch sinnvoll sein. Foto: G. Höner

Nach der Weidesaison sehen viele Pferdeweiden ramponiert aus. Erfahren Sie in unserem Fachbeitrag, wie die Weide repariert wird, den Winter gut übersteht und auf die Frühjahrspflege vorbereitet wird.

Nach 2018 und 2019 ist es bereits das dritte Jahr hintereinander, dass in weiten Teilen des Landes NRW während der Vegetationszeit eine lang anhaltende Dürre vorgeherrscht hat. Grünland gilt gemeinhin als eine stark wasserbedürftige „Kultur“. Es verbraucht während der Vegetationszeit am Tag durchschnittlich zwischen 2,2 und 3,1 mm Niederschlag je Quadratmeter. Bei hohen Temperaturen kann diese Menge aber auch deutlich darüberliegen. Die Wassermenge, die für das Wachstum von 1 kg Trockenmasse (TM) erforderlich ist, wird als Transpirationskoeffizient bezeichnet. Beim Grünland liegt dieser Wert bei etwa 800 mm. Im Vergleich dazu hat Mais einen Wasserbedarf von nur etwa 350 mm Wasser für 1 kg TM.
Es war auch in diesem Jahr oftmals erstaunlich, inwieweit sich vermeintlich vertrocknete Grasbestände auf der Weide aus den vegetativen Organen (Stoppeln, Wurzeln, Rhizomen) wieder regeneriert haben. Aber hier zeigen die verschiedenen Grasarten unterschiedliche Regenerationsfähigkeiten und -geschwindigkeiten.
Inwieweit das Grünland tatsächlich von der Trockenheit geschädigt war, das heißt, ob Gräser abgestorben waren und das Regenerationsvermögen der Grasnarbe eingeschränkt war, konnte erst beurteilt werden, nachdem nennenswerte Niederschläge gefallen waren, die in die Durchwurzelungszone der Gräser (mind. 5-10 cm) eingedrungen waren. War die Grasnarbe aus sich selbst heraus regenerationsfähig, konnte sie innerhalb einer Woche wieder ergrünen.

Grünlandschäden und Regeneration

Aufgrund der insgesamt verhaltenen Niederschläge seit Herbstbeginn, in Verbindung mit sinkenden Temperaturen und kürzer werdenden Tagen, blieb ein intensiver Wachstumsschub, der noch zu einem passablen Herbstaufwuchs hätte führen können, aber häufig aus.
Ebenso konnte es der Fall sein, dass die Grünlandnarbe nur teilweise regeneriert bzw. ergrünt und ansonsten lückenhaft geblieben ist, insbesondere dann, wenn keine Nachsaaten erfolgten. Überlässt man eine geschädigte Grünlandnarbe sich selbst und hofft man auf die Regenerationsfähigkeit der erwünschten Gräser, können solche Flächen erfahrungsgemäß stärker verungrasen bzw. verunkrauten.
Insbesondere tief wurzelnde Arten wie der Stumpfblättrige Ampfer, Distelarten, Löwenzahn, Vogelknöterich, Hirtentäschel, das giftige Jakobskreuzkraut oder aber auch die rhizombildende Gemeine Quecke überstehen lang  anhaltene trockene Phasen meist recht gut und können danach oftmals deutlich stärker im Bestand auftreten als vorher. Das heißt, dass solche extremen Witterungsverhältnisse wie in diesem Jahr auch zu einer mehr oder weniger starken Bestandsveränderung auf der Weide führen können. Gerade auf Pferdeweiden war auch in diesem Jahr häufig zu beobachten, dass die Tiere häufig zu lange auf der Weide geblieben sind, insbesondere dort, wo keine Umtriebsmöglichkeiten auf andere Weiden oder Paddocks vorhanden sind.
Trotz Zufütterung auf der Weide haben die Pferde Gräser weiterhin kurz, bis in die Stoppel abgefressen.
Besonders gerne werden junge Gräser, Weißklee und schmackhafte Kräuter im jungen Zustand gefressen. Weniger schmackhafte Pflanzenarten oder überständige Gräser und Kräuter werden meist gemieden. Während Rinder Gräser nur bis zu einer Pflanzenhöhe von etwa 3 cm abfressen, können Pferde Pflanzen bis unmittelbar über dem Boden verbeißen. Bei tiefem Verbiss wird bei den wertvollen Futtergräsern auch der Teilbereich abgefressen, wo ein Großteil der Nährstoffe eingelagert wird, die für die Regeneration erforderlich sind.
Je häufiger während der Vegetationszeit Gräser sehr tief verbissen werden, desto stärker sind diese gestresst, regenerieren langsamer und sind dadurch weniger konkurrenzfähig oder können ganz absterben. Hitzestress und Trockenheit verstärken diesen Prozess zusätzlich, bzw. dieser Prozess setzt früher ein als bei ausreichenden Niederschlagsmengen – und dies vor allem auf sandigen Böden, die eine schlechte Wasserhaltefähigkeit haben.
Als Folge treten dann verstärkt die bereits erwähnten Pflanzenarten auf, die aufgrund ihres tief reichenden Wurzelsystems Wasser aus tieferen Bodenschichten nutzen und unter trockenen Bedingungen nahezu konkurrenzfrei weiterwachsen können. So sind beispielsweise der Stumpfblättrige Ampfer oder die Kratzdistel in der Lage, 2 m und tiefer zu wurzeln. Zudem werden diese von der Trockenheit profitierenden Pflanzenarten von Weidetieren gemieden. Werden diese Pflanzen nicht rechtzeitig im Rahmen von Weidepflegemaßnahmen eliminiert, können diese tausendfach aussamen und erhöhen dadurch das Verunkrautungspotenzial auf der Weide in der Zukunft.

Mit Weidemanagement reagieren

Im Sinne der Weideschonung und der Vermeidung ungünstiger, das heißt zunehmend verunkrautender Pflanzenbestandsentwicklungen sollten Pferde möglichst frühzeitig von der Weide genommen oder sollte zumindest die Weidedauer reduziert werden. Im Sinne des Tierwohls und der Anforderungen der meisten Pferdehalter lässt sich diese Forderung aber häufig nicht umsetzen.
Beim Koppelweideverfahren, wo durch einen regelmäßigen Wechsel von Weideflächen günstigenfalls ein Wechsel von Schnitt- und Weidenutzung möglich ist, kann negativen Pflanzenbestandsentwicklungen sehr effektiv entgegengewirkt werden, da den wertvollen Futtergräsern immer wieder ausreichend Zeit zur Regeneration gegeben wird. Stehen für Koppelweidesysteme nicht ausreichende Flächen zur Verfügung, kann die Anlage von pferdegerechten Paddocks oder Ausläufen dazu beitragen, dass die Weiden nur zeitweise als Bewegungs- und Futterfläche zugeführt werden. Scheidet aus Flächen- oder Kostengründen oder fehlender Genehmigung die Anlage eines Paddocks aus, und ist nur eine Standweide möglich, auf der zudem ein unausgewogenes Verhältnis zwischen Tierbesatz, Weidezeit und erforderlicher Weidefläche besteht, sind sowohl aus pflanzenbaulicher als auch aus futterbaulicher Sicht ungünstige Fehlentwicklungen vorprogrammiert.

Nachsaaten?

Bei lang anhaltender Trockenheit sowie durch die negativen Wirkungen von wiederholt tiefem Verbiss und Tritt können wertvolle Futtergräser absterben, und es entstehen Lücken. Diese Lücken werden auch in den verbleibenden Herbstmonaten vor allem durch Unkräuter, deren Samen zu Tausenden pro Quadratmeter in der Bodenkrume vorkommen, schnell wieder besiedelt. Um es nicht so weit kommen zulassen oder zumindest den Unkrautdruck zu reduzieren, sollten rechtzeitig Nachsaaten durchgeführt werden.
Mit gezielten Nach- bzw. Übersaaten mit für Pferdeweiden geeigneten Gräsern soll daher einer negativen Bestandsentwicklung entgegengewirkt werden. Vor allem Gräsermischungen mit hohen Anteilen an Wiesenlieschgras sollten auch bei Nachsaaten auf Pferdeweiden verwendet werden. Auch wenn sich eine vermeintlich trockenheitsgeschädigte Grünlandnarbe oftmals wieder gut regenerieren kann, ist es ratsam, die Narben der Grünlandflächen nach den Niederschlägen zu begutachten, da nach lang anhaltender Trockenheit und Hitzephasen oftmals mit einem Sanierungs- bzw. Nachsaatbedarf zu rechnen ist. Wenn die Bodenkrume nach den Niederschlägen der letzten Wochen durchfeuchtet worden ist, sollten bei Lückenanteilen über 10 %, auf jeden Fall Nachsaaten durchgeführt werden.
Bei Lückenanteilen über 20 % hat die Nachsaat mit speziellen Schlitzsaat- oder auch Direktsaatmaschinen einen guten Effekt, vor allem unter trockneren Bedingungen. Das flache Einschlitzen (1-2 cm) der Nachsaat hat den Vorteil, dass das Saatgut einen wesentlich besseren Bodenschluss hat, wodurch der Auflauf des Saatgutes und damit der Nachsaaterfolg insgesamt verbessert werden können, im Vergleich zur Übersaat mit dem Nachsaatstriegel.
Der Durchsaaterfolg in dichte, verfilzte Grasnarben wird sich aber auch bei speziellen Schlitzsaatmaschinen kaum einstellen, da die Lichtkonkurrenz der Altnarbe zu groß ist, sodass sich die jungen Keimpflanzen aufgrund von Lichtmangel nicht ausreichend entwickeln können. Verfilzte Grasnarben sollten daher wie bei der Übersaat zunächst mit einem scharf eingestellten Striegel oder mit einer Egge vorbehandelt werden. Bei hohem und bekämpfungswürdigem Unkrautbesatz ist zuvor eine Herbizidbehandlung angezeigt. Grundsätzlich sollte auch die Durchsaat im Herbst möglichst zeitnah nach einer Nutzung erfolgen.
Der Bestand sollte möglichst kurz sein, um die Konkurrenz der Altnarbe gering zu halten. Gegebenenfalls kann auch ein vorhergehendes tiefes Mulchen des Altbestandes vorteilhaft sein. Bei Lückenanteilen über 25 bis 30 % ist die Nachsaatmenge mit der Direktsaatmaschine auf 20 bis 25 kg/ha zu bemessen. Grundsätzlich sind Nach- und Neuansaaten auch in Mittelgebirgslagen bis Anfang Oktober noch vertretbar, auch wenn das Auswinterungsrisiko mit fortschreitender Zeit steigt. In Niederungslagen sind Nachsaaten noch bis Mitte Oktober im empfehlenswerten Rahmen. Späte Nachsaaten sollten auch nur dann erfolgen, wenn ein früherer Termin aufgrund sehr trockener Bedingungen, wie im Jahr 2018, nicht sinnvoll ist. Grundsätzlich sind möglichst frühe Aussaattermine im Spätsommer aber immer günstiger zu bewerten. Nach der Nachsaat können die Pferde durchaus zunächst bei nicht zu hoher Besatzstärke auf der Weide bleiben, jedoch möglichst nicht länger als bis Ende Oktober, damit die jungen Gräser nicht gleich wieder durch den „scharfen“ Tritt zertreten werden.
Späte Nachsaaten- und Neuansaaten von Gräsern, die eine deutlich langsamere Anfangsentwicklung aufweisen als das Deutsche Weidelgras, wie z.B. Wiesenrispe, Wiesenschwingel, Knaulgras und Rohrschwingel, sind dagegen deutlich kritischer zu beurteilen. Nachsaaten dieser Arten sind aufgrund der relativ langsamen Keimphase und Jugendentwicklung in bestehende Altgrasnarben ohnehin bestenfalls bedingt empfehlenswert. Nur bei sehr lückigen Grünlandbeständen oder nach sehr intensivem Striegeln können im Rahmen der Durchsaat neben dem Deutschen Weidelgras auch andere Grasarten in einer Mischung ausgesät werden.
Solche Grünlandmischungen sollten wegen einer ausreichenden Vorwinterentwicklung aber auch in den Niederungslagen bis spätestens Mitte September gesät sein. Dagegen könnte das sehr winterharte Wiesenlieschgras auch noch relativ spät im Herbst gesät werden, da es auch bei sehr kühlen Temperaturen von 4 bis 6 °C noch keimt und sich über den Winter etablieren kann.
Letztlich hängt der Nachsaaterfolg von ausreichenden Niederschlägen während der Keimphase und Jugendentwicklung ab. Da dies in der Regel im Herbst gegeben ist, sind nachsaaten aber auch Neuansaaten von Grünland im Spätsommer bzw. Herbst deutlich risikoärmer als im Frühjahr. Sollte die Weidenarbe allerdings auch im Frühjahr Lücken von über 10 % aufweisen, ist eine Nachsaat auf jeden Fall angezeigt.

Mähen oder Mulchen?

Zur Erhaltung und Förderung einer vitalen und pferdegerechten Weidenarbe und um ungünstige Pflanzenbestandsentwicklungen zu vermeiden, zählt das Mähen oder Mulchen während und vor allem nach dem letzten Weidegang zu den wichtigsten Maßnahmen der Weidepflege. Mit dieser Pflegemaßnahme werden im Wesentlichen fünf Effekte erzielt:

  • Entfernen von Geilstellen
  • Schwächung von Unkräutern sowie die Verhinderung des Aussamens von Unkräutern
  • Zerkleinern und Verteilen von Kotstellen und deren Rotteförderung
  • Förderung des Wiederaustriebs von Gräsern
  • Sicherstellen einer einheitlich optimalen Aufwuchshöhe des Pflanzenbestandes vor dem Winter.

Geilstellen entstehen zumeist in den Bereichen der Ablagestellen von Kot und Harn. Dort findet eine starke Nährstoffkonzentration statt. Durch die Düngewirkung der Ausscheidungen der Weidetiere wachsen Gräser punktuell besonders intensiv. Gleichzeitig werden die aufwachsenden Gräser wegen des unangenehmen Geruchs der Ausscheidungen gemieden mit der Folge, dass die Gräser überständig werden und es zur Blütenstandsbildung kommt.
Überständige Gräser werden von Pferden zudem meist auch nicht angenommen. Werden Weiden nicht regelmäßig „abgeäppelt“ und gemulcht bzw. ausgemäht, kommt es zu einer immer größeren Zunahme an Geilstellen.
Vor allem auf Standweiden, auf denen der Pferdekot nicht regelmäßig abgesammelt wird, sind häufig mehr oder weniger stark ausgeprägte „Toilettenbereiche“ zu beobachten. In diesen Bereichen fressen die Pferde dann kaum noch, und es findet eine stärkere Nährstoffablagerung und damit Nährstoffanreicherung statt.
Unter diesen Bedingungen entwickeln sich dann neben Geilstellen vorwiegend nährstoffliebende Kräuter wie Brennnesseln, Taubnesseln, Stumpfblättriger Ampfer oder gefleckter Knöterich. Ohne regelmäßige weidepflegende Maßnahmen wie Nachmulchen, Schleppen und Absammeln von Kot, nimmt der Anteil der nicht mehr beweideten Bereiche zu während der Anteil der als Futter genutzten Weidefläche kleiner wird.
Diese Restweidefläche wird dann noch stärker abgefressen und vertreten. Sukzessive kann sich ein aus futterbaulicher Sicht desolater Pflanzenbestand entwickeln, wo der Anteil wertvoller Futterpflanzen immer stärker zurückgeht. Zunehmende Lücken, die insbesondere durch offene Bodenstellen entstehen, begünstigen zudem das vermehrte Auftreten von Ampfer, Disteln oder auch Jakobskreuzkraut.
Durch den Arbeitsschritt des Mulchens oder Abmähens werden daher primär die Pflanzenteile von Gräsern oder Kräutern auf der Weide entfernt, die ohnehin vom Pferd nicht mehr gefressen werden. Dadurch wird der Aufwuchs der Weide gewissermaßen auf ein einheitliches Wachstumsniveau gebracht. Durch diese Pflegemaßnahme kommt es zu einer pflanzenphysiologischen „Verjüngung“ des Weidebestandes. Die überständigen Gräser der Geilstellen treiben nach dem Abmähen aus der Basis aus, wodurch in diesen Bereichen junges schmackhaftes Futter zur Verfügung steht.
In Abhängigkeit von der Weideführung, der Besatzstärke auf der Weide sowie der Weidedauer können mehr oder weniger hohe Weidereste entstehen. Dies lässt sich meist nicht vermeiden, wenn für die Pferde auf der Weide ein ausreichendes Futterangebot zur Verfügung stehen soll.
Die Weidereste sind umso höher, je größer das Ungleichgewicht zwischen Futteraufwuchs und Futteraufnahme durch die Tiere ist. Beim Mulchen der Weidereste, Geilstellen und Unkräuter wird die Biomasse mehr oder weniger stark zerkleinert. Der Zerkleinerungsgrad hängt dabei von der Bauart des Mulchers ab. Das gehäckselte Mulchmaterial bleibt im Grunde genommen dort liegen, wo es aufgewachsen ist. Ob die Weidereste nun gemulcht oder doch besser abgemäht und abgefahren werden, hängt primär von der Menge der Weidereste, also von der Biomasse ab, die nach oder während einer Weideperiode nicht abgefressen wurde. Wenn mehr als 30 bis 40 % der Weidefläche nicht abgefressen wurden, kann die Menge der Biomasse so groß sein, dass das Mulchen zu negativen Effekten führt. Entscheidend ist aber die absolute Menge der Biomasse, die als Weiderest stehen geblieben ist. Diese kann in der Hauptvegetationszeit im Frühjahr und Frühsommer in der Regel deutlich höher sein als in den wachstumsschwächeren Herbstmonaten. Bei einer dicken Mulchschicht von 5 cm und mehr können die darunterliegenden Pflanzen regelrecht ersticken. Gleichzeitig bildet diese Deckschicht ideale Bedingungen für die Ansiedlung und Ausbreitung von Mäusen. Auf diese Weise entstehen Lücken, in die sich verstärkt unerwünschte Unkräuter wie Ampfer, Disteln oder Jakobskreuzkraut ansiedeln, sodass sich der gesamte Pflanzenbestand in eine unerwünschte Richtung verändern kann.
Vor diesem Hintergrund sollte beim Anfall hoher Biomassemengen (> 20 dt/ha TM im Bereich der Weiderestflächen) auf der Weide der Aufwuchs gemäht, geschwadet und abgefahren werden. Um das Volumen der Biomasse zu reduzieren, sollte man eine Anwelkzeit von etwa zwei Tagen vorsehen. Die Weidetiere können in dieser Anwelkzeit auf der Weide gelassen werden. Angewelkte Gräser oder auch Brennnesseln werden von Pferden durchaus gerne gefressen.
Stehen auf einer Weidefläche Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut, Scharfer Hahnenfuß, Adlerfarn oder sonstige giftige Pflanzenarten, sind bei einem Mulchgang die Pferde unbedingt von der Weide zu nehmen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass gemulchtes Pflanzenmaterial inklusive der Giftpflanzen gefressen wird. Erst wenn das gemulchte Pflanzenmaterial vollständig verrottet ist, können die Pferde wieder auf die Fläche. Die Arbeitskette – Mähen, Schwaden, Abfahren – ist zwar ungleich zeit- und kostenaufwendiger als das Mulchen, die Vorteile bzw. die Vermeidung der Nachteile liegen aber auf der Hand.
Bei starker Trockenheit während der Vegetationszeit kann das Pflanzenwachstum auf der Weide vor allem im Sommer zum Erliegen kommen. Verschiedene Gräser wie das Deutsche Weidelgras kommen dann in eine sogenannte Notreife und bilden verstärkt Blütenstände. Um den Wiederaustrieb der Gräser nach einer Trockenphase zu fördern, ist es ebenfalls sinnvoll, die Blütenstände zu beseitigen. Dieser Arbeitsgang kann mit einem Mähwerk deutlich schneller erfolgen als mit dem Mulcher. Das wenige Mähgut kann auf der Fläche verbleiben. In ähnlicher Weise kann verfahren werden, wenn es darum geht, Unkräuter wie Ampfer, Disteln oder Giftpflanzen am Aussamen zu hindern. Wichtig ist, dass diese spätestens zu Beginn der Blüte gemäht oder gemulcht werden.
Im Herbst steht der Stumpfblättrige Ampfer häufig in der Samenbildung oder schon in der Samenreife. Dann sollte möglichst nicht gemulcht werden, da der Mulcher zusätzlich für die Verbreitung der Samen sorgt. Wenn es arbeitswirtschaftlich machbar ist, sollte der Ampfer möglichst mit einem Ampferstecher aus der Weide genommen werden. Die Häufigkeit des Mulchens oder Mähens orientiert sich am Weideführungssystem. In Koppel- bzw. Umtriebsweidesystemen sollte nach jedem Weidegang gemulcht werden, insbesondere bei hohem Unkrautbesatz.
Auf Standweiden reicht möglicherweise ein Mulchgang im Herbst nach dem Weideabtrieb. Bei hohem Unkrautbesatz und großen Weideresten kann das Mulchen oder Mähen von Teilbereichen auch während der Weidesaison sinnvoll sein. Generell sollte die Schnitthöhe beim Mulchen wie beim Mähen nicht unter 6 cm liegen, da die Regeneration insbesondere der wertvollen Futtergräser sonst zu lange dauert, während verschiedene Kräuter wie Löwenzahn, Vogelknöterich, Gänseblümchen oder auch der Weißklee stärker in Konkurrenz treten können.
Beim Mulchen im Herbst ist darauf zu achten, dass danach noch etwa 14 Tage Vegetationszeit zur Regeneration der Gräser zur Verfügung stehen. Deswegen auch hier: Vor allem nicht tiefer als 6 bis 8 cm mulchen.

„Two in One“-Spezialgerät

Eine interessante und vielseitig einsetzbare Alternative zum herkömmlichen Mulcher bieten speziell für die Pflege von Pferdeweiden entwickelte Maschinen, wie der Horse Hopper von Amazone. Diese Universalgeräte mähen und sammeln nicht nur das Schnittgut von Geilstellen und Unkräutern wie Disteln oder Ampfer auf, sondern entfernen auch den Pferdekot von der Fläche. Diese über eine Zapfwelle eines Schleppers angetriebenen Maschinen lösen mit einem Vertikutiermesser den Pferdekot aus der Grasnarbe.
In Verbindung mit dem Mähvorgang befördern die Flügelmesser den Pferdekot zusammen mit dem feuchten Schnittgut in einen Auffangbehälter. Dieser kann über einen Seilzug oder hydraulisch entleert werden. Bei Arbeitsbreiten von etwa 1,30 m bis 2,10 m ist die Schlagkraft zwar nicht so hoch, aber aufgrund gleichzeitig durchführbarer Arbeitsgänge kann es vor allem für größere bzw. professionelle Pferdebetriebe bei gezieltem und regelmäßigem Einsatz eine lohnenswerte Anschaffung sein und ein effizienter Beitrag in der Weidepflege.

Schleppen

Erfolgt nach dem Ende der Weidesaison ein Nachmulchen, dann werden Pferdeäpfel zerkleinert und verteilt, was den Rotteprozess fördert. Erfolgt kein Mähen oder Mulchen, sollte die Weide im Spätherbst zumindest mit der Wiesenschleppe abgeschleppt werden, da-
mit eine Zerkleinerung und Verteilung von Pferdeäpfeln und eine Einebnung von Erdaufwerfungen durchgeführt wird. Bei einem hohen Besatz an Weideparasiten ist das Schleppen oder Mulchen jedoch kritisch zu sehen, da diese Arbeitsgänge zu einer weiteren Verbreitung von Parasiten führen können. Ansonsten sollten im zeitigen Frühjahr, etwa zu Vegetationsbeginn, und nicht mehr im Herbst, 3 bis 4 dt/ha Kalkstickstoff zur Weideparasitenbekämpfung eingesetzt werden.

Chemische Ampferbekämpfung im Herbst?

Der Stumpfblättrige Ampfer ist ein problematischer Platzräuber und Lückenfüller auf dem Grünland mit geringem Futterwert, der häufig gerade auf wenig gepflegten Pferdeweiden zu finden ist. Da der Stumpfblättrige Ampfer ein sehr großes Reproduktionsvermögen aufweist und eine sehr lange Keimfähigkeit besitzt, sollte der Grundsatz der Bekämpfung lauten: „Wehret den Anfängen.“ Sind auf dem Grünland nur einzelne oder eine überschaubare Population von Ampferpflanzen vertreten, sollten diese mechanisch z. B. mit dem Ampferstecher bekämpft werden oder chemisch als Einzelpflanzenbekämpfung mit Glyphosat oder Simplex. Bei größerem Auftreten – oftmals tritt der Stumpfblättrige Ampfer nur in Teilbereichen auf – kann eine Flächenapplikation mit selektiven Herbiziden angezeigt sein. Der effektive Einsatz von Herbiziden gegen Ampfer setzt in der Regel ein gewisses Wachstumsvermögen und bestimmte Entwicklungsstadien dieses Unkrautes voraus.
Unter optimalen Bedingungen bietet sich eine sehr effektive und nachhaltige Ampferbekämpfung nach einer frühen letzten Grünlandnutzung bzw. zeitigem Weideabtrieb im Herbst an. Dann treibt der Ampfer meist noch mal aus und wächst im Oktober oder bis in den November hinein bis zum Rosettenstadium. Mit geeigneten Herbiziden, wie dem kleeschonenden Harmony SX (45 g/ha), können Altpflanzen und aufgelaufene Sämlinge gut bekämpft werden. Ein guter Bekämpfungserfolg ist unter milden Bedingungen dann sogar bis in den November hinein gegeben.
Abgestorbene Ampferpflanzen im Herbst hinterlassen Lücken. Diese sollten im zeitigen Frühjahr unbedingt nachgesät werden, um die Konkurrenz zugunsten der Gräser zu fördern und um der Wiederansiedlung des Ampfers an derselben Stelle entgegenzuwirken.
Eine chemische Bekämpfung von Ampfer im Frühjahr ist meist weniger effektiv, da insbesondere Pflanzen im Rosettenstadium und aufgelaufene Pflanzen kaum erfasst werden. Nicht empfehlenswert ist der Einsatz von Harmony SX zur Ampferbekämpfung im Herbst bei spät aufgelaufenen Nachsaaten. Da die jungen Graspflanzen noch empfindlich auf das Herbizid reagieren, können diese direkt geschädigt oder zumindest in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Dies kann wiederum deren Winterfestigkeit negativ beeinflussen. Eine gute Ampferwirkung zeigt auch das gräserverträgliche Herbizid „Simplex“ (2,0 l/ha). Während der Einsatz auf dauerhaften Weideflächen uneingeschränkt möglich ist, sollten die Anwendungsbeschränkungen dieses Herbizids auf Schnittgrünlandflächen unbedingt beachtet werden.
Allerdings: Abgesammelter Pferdekot auf mit Simplex behandelten Weiden sollte nicht auf Mistmieten gelangen, die später auf Ackerflächen ausgebracht werden, wo Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps und andere zweikeimblättrige Kulturen angebaut werden. Ein Schaden, selbst bei sehr geringen Wirkstoffmengen des Herbizids, ist möglich.
Die Herbizidkosten liegen bei Simplex höher als bei Harmony SX, dafür zeigt Simplex ein breiteres Wirkungsspektrum (u. a. Disteln, Löwenzahn, Hahnenfuß, Hellerkraut) als Harmony SX. Bei der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln, auch bei einer Einzelpflanzenbekämpfung mit der Rückenspritze, ist unbedingt ein Sachkundenachweis erforderlich.

Düngung im Herbst?

Erfolgt im Spätherbst ein Weideabtrieb, so bietet sich danach die Düngung mit den Grundnährstoffen Phosphor, Kalium und Magnesium an. Ebenso kann die Ausbringung von Kalk erfolgen, der über die Wintermonate in die Bodenkrume eingewaschen wird. Ob eine Düngung mit Grundnährstoffen oder eine Kalkung der Weide überhaupt sinnvoll ist, sollte auf Basis einer Grundnährstoffanalyse entschieden werden. Dabei sollten repräsentative Bodenproben (30 bis 40 Einzeleinstiche) von der Fläche in der Bodentiefe 0 bis 10 cm genommen werden. Vorgewende, Gatterbereiche, Bereiche an den Futterraufen sowie Mist- u. Kalklagerplätze sind von der Probenentnahme auszuschließen. Die Bodenproben können beispielsweise bei der LUFA analysiert werden. Auf Basis der analysierten Bodennährstoffgehalte und des pH-Wertes können flächenbezogene Düngungsempfehlungen abgeleitet werden. Die Ausbringung von Gülle im Spätherbst nach dem Weideabtrieb ist entsprechend der geltenden Düngeverordnung bis zum 31. Oktober möglich. Da aber zu einem solch späten Zeitpunkt insbesondere für Stickstoff kein Düngebedarf mehr besteht, sollte eine Düngung mit stickstoffhaltiger Gülle auf Pferdeweiden nicht mehr durchgeführt werden.

Problem Winterweide

Auch wenn viele Pferdehalter die ganzjährige Weidehaltung, also auch im Spätherbst und Winter, im Sinne des Tierwohls als notwendig erachten, ist dieser Zeitraum der Beweidung aus pflanzenbaulicher Sicht nicht unproblematisch. Durch zunehmend feuchte Bedingungen in der späten Jahreszeit wird die Grasnarbe zunehmend zertreten und letztlich zerstört. Da in den Wintermonaten weitgehend Vegetationsruhe herrscht, können die Grünlandpflanzen die Trittschäden durch Wachstum nicht mehr kompensieren.
Darüber hinaus findet durch den Tritt der Tiere vor allem im Bereich der Laufwege, des Gatters, der Futterraufen, der Unterstände und Tränken eine extreme Verdichtung des Bodens statt, wodurch die Bodenstruktur und damit der Luft-Wasser-Haushalt des Bodens nachhaltig gestört werden.
Im Folgejahr entwickelt sich auf Winterweiden daher häufig großflächig eine ausgeprägte Trittrasengesellschaft, in der Arten wie Jährige Rispe, Breitwegerich, Vogelknöterich, Hirtentäschel oder Strahlenlose Kamille vorherrschend sein können, die mit Bodenverdichtungen keine Probleme haben. Solche Pflanzenbestände sind wiederum keine Grundlage für schmackhaftes und artgerechtes Weidefutter für Pferde.
In vielen Fällen kann nach einer dauerhaft über den Winter genutzten Weide nur noch eine aufwendig durchgeführte Neuansaat mit vorheriger intensiver Bodenbearbeitung zur Entwicklung eines zielorientierten Pflanzenbestands zurückführen. Solche Flächen stehen dann aber für mindestens ein halbes Jahr nicht mehr als Weide zur Verfügung. Hubert Kivelitz, Landwirtschaftskammer NRW