Editorial

Eine Aufarbeitung

Dr Wiedemann
Dr. Jasmin Wiedemann, Chefredakteurin Reiter & Pferde in Westfalen. Foto: A. Jandke

Westfalen, erfolgreichstes deutsches Zuchtgebiet – 19 Medaillen – westfälische Pferde in allen Finals vertreten – das sind aus unserer Sicht die Highlights der Bundeschampionate 2018. Dazu beigetragen haben im Teamwork die westfälischen Züchter, Ausbilder und Reiter.
Wie viel Aufwand dahintersteht, ein Pony oder Pferd soweit zu bekommen, das können sich alle denken. Deshalb Hut ab vor dieser Leistung. Platzierungen und Siege darzustellen, macht uns natürlich großen Spaß. Lesen Sie unseren Bericht vom Bundeschampionat, den wir mit einigen Porträts gespickt haben, auf 14 Seiten im Heft (S. 48-61).
Genau solche Freude hat uns auch das Berichten über das „Turnier der Sieger“ bereitet – Lieblingsturnier vieler münsterländer Pferdefreunde. Das war Sommer, Sonne, Sonnenschein – anders kann man es gar nicht sagen. Jedes Jahr realisiert der Westfälische Reiterverein um seinen Präsidenten Hendrik Snoek, der von früh morgens bis spät abends selbst mit anpackt, ein Sommermärchen vor dem Münster‘schen Schloss.
Dass es bisweilen aber hinter den Kulissen der heilen Turnierwelt gewaltig brodeln kann, hat ein Beitrag im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Anfang September zusammengefasst und damit die wohligen Sommerträume zumindest der Deutschen Reiterlichen Vereinigung jäh beendet. Denn die stand am meisten im Kreuzfeuer, als Dachverband, der die Spielregeln für den Turnierzirkus erlässt und überwacht. Die Spiegel-Redakteure hatten wochenlang Reiter, Eltern und Trainer zum Thema Alkoholmissbrauch, sexuelle Übergriffe und anderem Fehlverhalten befragt und daraus eine mehrseitige Reportage gestaltet. Die zeichnet das Sittenbild einer jungen deutschen Springreitergarde, die sich reich, verwöhnt, erfolgsversessen, alkoholisiert und übergriffig auf Turnieren herumtreibt. Wer das liest, mag seine Kinder gar nicht mehr aufs Turnier lassen, zumindest nicht auf mehrtätige, große Championate mit Partys und Lkw-Übernachtungen.  
Was ist wirklich geschehen? Zunächst einmal handelt es sich um Einzelfälle. In dem Spiegel-Beitrag werden Fälle geschildert, die der FN und auch dem Landesverband Westfalen bekannt sind, aber auch solche Vorfälle, die keinem der Verbände zugetragen wurden.
FN und auch der Landesverband Westfalen haben klare Stellung bezogen. Und die zum Teil noch im Verfahren befindlichen Fälle und auch die Maßnahmen und Konsequenzen dargestellt, die diese nach sich gezogen haben oder es noch tun werden. Zudem gab und gibt es bereits seit etlichen Jahren Präventionsmaßnahmen des Pferde-sportverbands Westfalen und der FN.
Die Verbände halten sich aus Gründen der Sportgerichtsbarkeit aber mit offiziellen Meldungen über solche Vergehen zurück. Hingegen werden Konsequenzen, also beispielsweise Wettkampfsperren veröffentlicht.
Während die einen also bemüht sind, interne Lösungen zu finden, um den Sport nach außen rein zu halten, bemängeln die anderen, warum über diese Themen nichts geschrieben wird. Eine Aufarbeitung der Sachlage finden Sie auf den Seiten 18-22.