Editorial

Zitterpartie

Dr Wiedemann
Dr. Jasmin Wiedemann, Chefredakteurin Reiter & Pferde in Westfalen.

Die spannende Frage derzeit ist ja, was findet statt und was nicht. Nachdem der Turniersport und die Zuchtveranstaltungen im Sommer vorsichtig wiedergekehrt sind, dreht die Uhr jetzt zurück. Was an Herbst- und Winterveranstaltungen optimistisch geplant war, steht auf Warteliste oder ist vorsichtshalber schon abgesagt. Wie der traditionelle K+K-Cup in Münster. Er wird im Januar 2021 definitiv nicht stattfinden. Denn ein K+K-Cup ohne Zuschauer ist fast undenkbar und refinanziert sich nicht, und ein geeignetes Hygienekonzept für den kuschelig engen Zuschaueransturm in der Halle Münsterland zu finden, wäre die Quadratur des Kreises.
Bei etwas weniger groß dimensionierten Veranstaltungen mag das gelingen. So hat das Westfälische Pferdestammbuch ein Konzept für die geplante Westfälische Hauptkörung vom 23. bis 25. November entwickelt und von der Stadt Münster genehmigt bekommen, was beim Verfassen dieses Editorials (23. Okt.) auch noch Geltung hat: Bis zu 1 000 Personen dürfen demnach an den drei Hauptkörtagen je Tag in die Halle. Die Sitzplätze werden entsprechend markiert, so wie es auch schon bei der Hengst-Vorauswahl war. Carsten Rotermund, Geschäftsführer des Pferdestammbuchs, berechnet, dass etwa die Hälfte der 1 000 Personen Begleiter der rund 75 Hengste bzw. Helfer sind, die andere Hälfte wären Ehrengäste und Zuschauer. Wie der freie Verkauf der Karten gemanagt wird, muss noch entschieden werden. Es wird vermutlich mehr Nachfrage als Karten geben. Und es bleibt abzuwarten, ob die Genehmigung der Stadt Bestand haben wird.
Eine kleine Zitterpartie also noch. Eine Zitterpartie war für manchen Hengst auch die Vorauswahl. Denn die Kommission war verärgert über das, was sie von einigen Ausstellern präsentiert bekam: „In diesem Jahr haben wir bei der Vorauswahl Bilder gesehen, die wir uns als Zuchtverband so nicht gewünscht haben und die wir in der Zukunft nicht tolerieren können“, so der kommissarische Zuchtleiter Thomas Münch. Das Stammbuch wünscht eine pferdegerechte Vorbereitung der Hengste und ein natürliches Freispringen. Und ergreift zielgerichtete Maßnahmen:
Die Aussteller der verkrampft und übervorsichtig springenden Hengste wurden ins Gespräch genommen. Bei der Körung wird es mehr Stewards und Kamerasysteme in der Vorbereitungshalle zur Überwachung geben. Wer sich nicht regelkonform verhält, wird der Körung verwiesen.
Wir finden, ein richtiger Weg, um weiterhin auch als Zuschauer Freude an den jungen, talentierten Hengsten zu haben und ihnen applaudieren zu können.