Editorial

Haben Sie Zeit?

Dr Wiedemann
Dr. Jasmin Wiedemann, Chefredakteurin Reiter & Pferde in Westfalen. Foto: A. Jandke

Wann haben Sie sich zum letzten Mal Gedanken über die Gesundheit der Hufe Ihres Pferdes gemacht?
Ist es schon etwas länger her und Sie vertrauen einfach darauf, dass alles mit den Hufen in Ordnung ist? Der Schmied kommt ziemlich regelmäßig und wird schon alles so machen, wie es richtig sein muss? Dann geht es Ihnen so wie den meisten Pferdefreunden, für die die Hufe nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.
Sollten sie aber, sagt Schmiedemeister Uwe Lukas aus Warendorf-Milte, der seine Hufschmiede in der Tierklinik Telgte betreibt und dort eng mit den Tierärzten bei der Behandlung stationärer und externer Patienten zusammenarbeitet.
Er wünscht sich, dass der Huf als das betrachtet wird, was er ist – nämlich ein komplexes und kompliziertes eigenständiges Organ und kein totes Stück Horn.
Ein Beispiel gefällig? Der Huf sorgt dafür, dass Ihr Pferd überhaupt am Leben bleibt. Denn der sogenannte Hufmechanismus ist dafür verantwortlich, dass das venöse Blut vom Huf wieder in Richtung Herz gepumpt wird. Alleine würde das Herz diese Arbeitsleistung nicht schaffen, denn es ist ganz schön weit von allen vier Hufen des Pferdes entfernt. Damit der Hufmechanismus aber funktioniert, muss der Hufstrahl in der Mitte des Hufs Bodenkontakt haben und das Pferd muss sich bewegen. Dann nämlich drückt der Strahl Richtung Hufinneres und diese pumpartige Bewegung regt die Blutzirkulation an. Bewegt sich das Pferd nicht, steht es sich buchstäblich tot, denn der Hufmechanismus setzt aus, die Blutzirkulation arbeitet auf Sparflamme, die mangelnde Durchblutung verhindert, dass die Nährstoffe im Blut in alle Teile des Körpers getragen werden, der Stoffwechsel arbeitet nur im ersten Gang, im reinen Erhaltungsstoffwechsel. Wenn sich das Pferd aber bewegt, und hierfür reicht sogar schon Schritt im Paddock, setzt die Hufpumpe ein und Blut und Nährstoffe zirkulieren, alles wird belebt und versorgt.
Solches Basiswissen wieder bewusst zu machen, Zusammenhänge aufzuzeigen, Hintergründe zu vermitteln, Spezialwissen zu vertiefen und aktuelle Entwicklungen bekannt zu machen – das haben sich der Pferdesportverband Westfalen und das Westfälische Pferdestammbuch aktuell auf die Fahnen geschrieben. Und daher bieten sie gemeinsam in einer Reihe namens „Wissen zum Wohl der Pferde“ Seminare an.
Uwe Lukas ist einer der Referenten, die sich gemeinsam mit den beiden Verbänden diesem Ziel verschrieben haben. Rund 25 Teilnehmer kamen zu seinem Seminar „Hufgesundheit“ in die Westfälische Reit- und Fahrschule. Es hat sich so gelohnt! Lesen Sie unseren Bericht und Uwe Lukas’ kompaktes Fachwissen auf den Seiten 66 und 67.
Wenn Sie Zeit haben, besuchen Sie doch das nächste Seminar in der Reihe. Am 25. April geht es in Halle mit Tierarzt Dr. Karsten Zech um Pferdehaltung und die Leitlinien zur Pferdehaltung. Ausführliche Informationen und Anmeldehinweise hierzu finden Sie auf den Gelben Seiten dieser Ausgabe, S.191.