Editorial

Was jetzt gilt

Dr Wiedemann
Dr. Jasmin Wiedemann, Chefredakteurin Reiter & Pferde in Westfalen.

Es ist glücklicherweise nicht nur so, dass die Viruskrise den Pferdesport fest im Griff hat. Es ist Gott sei Dank auch so, dass wir die Krise einigermaßen im Griff haben. Denn sehr schnell gab es über die Regelungen der Bundesregierung hinaus auch Regelungen auf Länderebene, die die Pferdehaltung betreffen. Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Pferdehalter nicht vergessen und sehr schnell reagiert und am 20. März den „Leitfaden für alle pferdehaltenden Betriebe mit Publikumsverkehr“ herausgegeben – damit Tierschutz und Tierwohl unserer Pferde weiterhin gesichert sind. Sie finden seinen Wortlaut komplett abgedruckt auf den Seiten 12 und 13 dieser Ausgabe.
Doch er ist kein Freifahrtschein für normalen Alltagsbetrieb in Vereinen und Pensionsbetrieben. Denn der Infektionsschutz der Menschen und die Unterbrechung der Infektionskette sind das Gebot der Stunde. Über allem steht daher das Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung. Am 16. März wurde bekannt gegeben: „Der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen ist für den Publikumsverkehr zu schließen. Zusammenkünfte in Vereinen, Sport- und Freizeiteinrichtungen sind verboten.“
Pferdesportvereine und Reitbetriebe stellten daraufhin korrekterweise alle Aktivitäten wie Turniersport, Reitunterricht und Lehrgänge ein. Durch die verantwortliche Person in Pensionsbetrieben und Vereinen ist zu prüfen, inwieweit Paddock- oder Weidegang bzw. Führanlage ausreichend ist und inwieweit die Pferdebesitzer überhaupt zu ihren Pferden kommen müssen. Die Bewegung der Pferde als Freizeitbeschäftigung für den Pferdebesitzer gehört nicht dazu. Ausdrücklich geht es den Behörden um die Sicherstellung des Tierwohls auf einem Basisniveau, nicht um die Aufrechterhaltung des Sportbetriebs. Aus diesem Grund haben bereits einige Betriebe in Westfalen wie der von Andreas Trappe in Altenberge ihre Pforten für Pferdebesitzer geschlossen. Gruppenställe, Offenställe, Paddocks und Weiden machen es möglich. Denn Pferdebesitzer sollen nur dann zu ihren Pferden kommen und für das Tierwohl sorgen (Fütterung, Bewegung), wo keine andere vertretbare Lösung durch den Betriebsleiter gefunden werden kann. Andreas Trappe nimmt das sehr ernst. Er sagt: „Verschärft sich die Krise weiter, könnte es passieren, dass der Tierschutz hinter dem Infektionsschutz zurückstehen muss, weil es nur noch darum geht, Menschenleben zu retten.“
Der Pferdesportverband Westfalen hat einen extra Email-Newsletter eingerichtet, mit den aktuellsten Entwicklungen und Regelungen. Auch auf der R&P-Homepage und der des Westfälischen Pferdestammbuchs finden Sie stets Aktuelles.
Die Hilfeaktionen für Reitvereine in finanzieller Not durch Verdienstausfall sind angelaufen – der Landessportbund hat Zusagen gemacht. Bedürftige Vereine können sich per E-Mail melden. Übungsleiter und andere Solo-Selbstständige können mit staatlicher Direkthilfe rechnen. Lesen Sie unsere Seiten 10 – 13 mit zahlreichen Infos zur Viruskrise und Hinweisen zu Hilfe und Auskunft.
Und vor allem: Bleiben Sie gesund.