Editorial

Ein Hoch auf Jamaika

Dr Wiedemann
Dr. Jasmin Wiedemann, Chefredakteurin Reiter & Pferde in Westfalen. Foto: A. Jandke

Erst das Unangenehme: Die schleswig-holsteinische Gemeinde Tangstedt im Kreis Storman hat die Einführung der Pferdesteuer beschlossen, und zwar zum
1. Juli mit je 150 € jährlich pro Pferd. Damit ist die rund 6 500 Einwohner starke Kleinstadt mit eigenem  Reitverein und zahlreichen Pensionspferdebetrieben der vierte Ort in Deutschland, an dem Pferdesteuer zu zahlen ist. Drei hessische Gemeinden machen es vor.
Die Tangstedter Gemeindevertretung fasste diesen Beschluss nach monatelangen Diskussionen und Protesten Mitte Juni. Bei rund 700 Pferden rechnet die Gemeinde mit jährlich 75 000 bis 100 000 € Einnahmen minus 5 000 € Verwaltungskosten.
Das „Glück“ der Tangstedter Finanzjongleure währt aber möglicherweise nicht lange. Denn erstens reichen die Steuergegner eine Sammelklage gegen die Rechtmäßigkeit der Abgabe ein. Zudem haben sie bereits von der neu gewählten Landesregierung Unterstützung erhalten: Zwei Abgeordnete von CDU und FDP haben noch während der
Protestkundgebung verkündet, dass die Jamaika-Koalition die Steuer umgehend „canceln“ wird! Im Koalitionsvertrag steht nämlich, dass die Erhebung von Steuern auf die Ausübung einer Sportart unzulässig ist. Das brachte den Tangstedter Finanzausschuss wiederum auf die Palme, er konterte: Die Steuer werde nicht auf eine Sportart, sondern auf eine Tierart erhoben (S. 5).
Aktuell hat uns die Warnung erreicht, dass derzeit ungewöhnlich viele Weidepferde an Atypischer Myoglobinurie erkranken, verursacht nicht (nur) durch Samen, sondern durch die Keimlinge des Bergahorns. Die Giftstoffe führen zu Leberversagen mit Todesfolge. Zuletzt gab es Fälle in Warendorf (S. 17).
Noch eine Meldung, die Pferdehalter nicht amüsant finden: In Bad Berleburg wurde ein Wolf gesichtet (S. 10).
Ein schöneres Thema ist der doppelte Deutsche Meistertitel von Isabell Werth mit Westfalenwallach Emilio in Balve. Die beiden sind nur deshalb nicht Titelmodell geworden, weil sie nach ihrem Weltcupsieg in Göteborg Ende Februar bereits den April-Titel der R&P schmückten.
Erfreulich konstruktiv ist, dass nach der Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens gegen das Westfälische Pferdestammbuch respektive seines Geschäftsführers Wilken Treu, die breite Führungsriege und die Kreisvorsitzenden anlässlich eines gemeinsamen Treffens und der Erörterung der Sachlage Ende Mai dem Vorstand und der Geschäftsführung ihr volles Vertrauen ausgesprochen haben (S. 10).
Ebenfalls erfrischend neu und konstruktiv finden wir, dass sich in den vergangenen Wochen gleich zweimal zwei Spitzensportler dazu entschlossen haben, zukünftig gemeinsame Kompetenz- und nicht Konkurrenz-Zentren zu betreiben: Dirk Schrade und Christian Hess sowie Andreas Kreuzer und David Will sind so mutig (S. 6 u. 26).
Wundern Sie sich nicht, wenn Sie demnächst bunte Pferde im Stall stehen haben: Auf unserer Jugendseite (S. 68) stellen wir Ihren Kindern einen neuen Trend vor … keine Angst, alles ganz ungefährlich.