Editorial

Ein Esel ist kein Hund

Dr Wiedemann
Dr. Jasmin Wiedemann, Chefredakteurin Reiter & Pferde in Westfalen.

Haben Sie die Hitzewelle Ende Juli gut überstanden? Manchmal hat man ja den Eindruck, dass sich die Natur und alles, was da kreucht und fleucht gegen einen verschworen hat. Viele Pferdebesitzer fluchen seit dem Frühjahr über den Eichenprozessionsspinner, der sich derzeit in Westfalen massenhaft vermehrt – angeregt durch die warmen, trockenen Sommer. Die Brennhaare der Raupen, die sich auf Mensch und Pferd setzen, können Raupendermatitis mit Brennen, Juckreiz, tränenden Augen, Husten und Atembeschwerden hervorrufen. Und gerade auf Pferdebetrieben finden sich ja häufig Eichen.
Lesen Sie in unserem Beitrag auf den Seiten 86-90, was man gegen die garstigen Raupen und ihre Folgen tun kann. Dr. Michael Klenner von der NRW-Landwirtschaftskammer und Tierarzt Dr. Frank Gerlach geben Rat. Schlimm ist, dass auch das Heu betroffen sein kann, denn die Millionen Brennhaare fliegen mehrere Hundert Meter weit und verleiden Mensch und Tier dann möglicherweise auch noch den Winter.
Trotzdem: Gutes Heu ist das Wichtigste in der Pferdefütterung. Auch wenn es derzeit echt teuer ist. Warum qualitätvolles Heu so wichtig fürs Pferd ist, wird in unserem Schwerpunkt-Thema „Gesund und lecker füttern“ (S. 76-81) klar. Auch routinierte Pferdeleute sollten sich immer wieder vor Augen führen, dass eine genügend große Menge Heu, über möglichst viele Stunden verfügbar, die Basis der Fütterung ist. Warum? Weil der Magen des Pferdes im Gegensatz zum Menschen ständig Magensäure produziert. Und die möchte über Nahrungszufuhr abgepuffert werden. Wenn nicht, wird die Schleimhaut angegriffen und es kann zu Entzündungen und Geschwüren kommen. Weitere ausgesuchte, spezielle Futtermittel und Zusätze wie Pektin, Lactose, Öl und Ölsaaten, Lecithin, Obst- und Gemüsestücke etc. unterstützen zielgerichtet solche Pferde, die bereits Probleme haben – sei es die weitverbreiteten Magengeschwüre, Verstopfung oder Kotwasser.
Anders liegt beim Esel der Hase im Pfeffer – denn er ist gar kein Grasfresser, sondern liebt strukturreiches Blattwerk. Und deshalb ist seine Vergesellschaftung mit Pferden auf Weiden schwierig – der Esel könnte an Rehe und EMS erkranken. Und nicht nur deshalb ist der Esel als Wolfsschutz Quatsch, erläutert Uta Over von der Noteselhilfe (S. 84-85). Er ist keine Alarmanlage und verteidigt auch keine Pferdeherde. Er könnte sogar leiden, wenn er als „Herdenschutzhund“ eingesetzt wird.
Zurück zum Wetter: Trotz der Hitze werden gerade im Sommer von Mensch und Tier die höchsten Leistungen vollbracht. Respekt den westfälischen Voltigierern, die ihre Landeschampionate erfolgreich absolviert haben (S. 28-33), den Fohlen und ihren Müttern, die auf den Schauen glänzten (S. 66-71), den Medaillengewinnern der DM in Luhmühlen (44-46), den neuen deutschen Fahrsportmeis­tern (S. 50-54), den jungen deutschen Team-Europameistern der Vielseitigkeit und dem westfälischen U 21 Spring-Europameister Philipp Schulze Topphoff (S. 59-61) – und allen anderen, zwei- und vierbeinig, die jeden Tag sportlich unterwegs sind!