Editorial

Handorfer Herbst

Dr Wiedemann
Dr. Jasmin Wiedemann, Chefredakteurin Reiter & Pferde in Westfalen.

Für Züchter gibt es im Monat November mehrere verlockende Gründe, die Westfalenmetropole anzusteuern: Wer Lust hat, startet gleich am ersten Wochenende dieses Herbstmonats mit einem Besuch im Westfälischen Pferdezentrum. Münster-Handorf ist nämlich am 4. und 5. November erstmals Schauplatz der „Ponyforum-Hengsttage“. Unter dem Dach der Ponyforum GmbH können zu dieser Körveranstaltung Reitponys aller Zuchtverbände angemeldet werden. Auf zahlreichen Auswahlterminen wurden von bundesweit rund 90 vorgestellten Reitponyhengsten 39 zu den Hengsttagen zugelassen. Die fanden übrigens bislang stets im Pferdezentrum Alsfeld in Hessen statt, fügen sich nun aber prima in den Handorfer Veranstaltungskalender, in dem der November ohnehin bereits DER Körmonat ist.
Die Veranstaltung ist die bundesweite Gemeinschaftskörung aller Ponyforum-Mitgliedsverbände, sämtliche Verbände erkennen die Körurteile an. Alle Hengste der Kollektion gehen im Anschluss an die Körung in die Auktion, sodass es für Kunden einen transparenten Hengstmarkt gibt. Die zugelassenen Ponyhengste finden sich auf der Homepage des Westfälischen Pferdestammbuchs, www.westfalenpferde.de, der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Ungeachtet dieses neu-westfälischen Events wird es wie gewohnt auch die Westfälische Hauptkörung für Kleinpferdehengste geben – sie ist auf den 25. bis 26. November terminiert. Wie viele Reitponys und Kleinpferde weiterer Rassen zugelassen sind, ergab die Handorfer Vorauswahl – kurz nach Druck dieser Ausgabe. Aber auch diese Kandidaten sind bequem auf der Verbandshomepage nachzulesen.
Zwischen diese beiden Körungen schiebt sich noch die NRW-Kaltblutkörung am 18. November und die emotional am stärksten bewegende Westfälische Hauptkörung für Reitpferdehengste vom 20. bis 22. Warum emotional bewegend? Klar, hier geht es um schöne Vierbeiner und um schönes Geld. Das hat man bereits im Vorfeld gemerkt, denn anlässlich der Vorauswahl gab es erhitzte Diskussionen – live und online – über die Entscheidungsfähigkeit der Körkommissare. Und es flogen nicht nur Worte hin und her, sondern auch andere Gegenstände durch die ehrwürdige Handorfer Auktionshalle …
Dabei sind die Kriterien der Körkommission durchaus transparent, aber jede Einzelfallentscheidung bleibt letztlich menschlich und also subjektiv. Um manche Entscheidungen zu verstehen, kann es eine Hilfe sein, für sich abzuprüfen, ob der betreffende Hengst tatsächlich einen Zuchtfortschritt für die gesamte Population bringen wird, so wie es bei einem Deckhengst sein sollte, oder nur ein gutes Reitpferd ist, das halberlei galant über die Sprünge kommt bzw. seine Beine aus dem Sand ziehen kann.
Und für die Reiter: Möchten Sie einen Nachkommen haben, der sich genau wie dieser Hengst benimmt, bewegt, springt, trabt, galoppiert und schreitet, oder gibt es bereits zahlreiche  Hengste, die größere Vorteile an ihre Nachkommen vererben? Na, d’accord mit der Körkommission oder nicht?
Wir freuen uns jedenfalls auf spannende Körungen mit tollen Hengsten und lebhaften Diskussionen!