Porträt

Von Ost nach West

Manja und Hellmuth Gille leben für ihre Pferde. Foto: G. Büscher

Hellmuth und Manja Gille haben eine bewegte reiterliche Karriere hinter sich, die in der DDR begann und die beiden dann ins Ruhrgebiet führte. Für 2019 haben der Olympiareiter und die Pferdewirtschaftsmeisterin ehrgeizige Pläne: Der Vater möchte mit 80 Jahren noch einen S-Sieg erringen. Die Tochter hofft auf den letzten fehlenden S-Sieg für das Goldene Reitabzeichen.
Das Jahr 2019 verspricht, ein ganz besonderes für Hellmuth Gille und seine Tochter Manja zu werden. Der Senior, der noch immer im Spring-sport aktiv mitmischt und mit seiner Stute Lady Shutter Speed viele jüngere Mitbewerber alt aussehen lässt, feiert am 23. April seinen 80. Geburtstag. Manja Gille, die aus gesundheitlichen Gründen eine längere Turnierpause einlegen musste, ist wieder sportlich unterwegs und steht beruflich vor neuen Herausforderungen. Die erfahrene Springreiterin tritt im Mai ihre neue Stelle als Reitlehrerin an der Bochumer Reiterschaft an.
Wenn man mit Hellmuth Gille über sein Leben und vor allem über seinen Sport spricht, dann blitzen seine Augen auf. Reiten, das ist einfach das Leben des Olympiateilnehmers von 1972: Damals startete Hellmuth Gille in München mit dem Vollblut Pflicht für die DDR im Vielseitigkeitsreiten. „Kein Zweifel, natürlich war das mein sportlicher Höhepunkt, unvergesslich“, lächelt der Reiter, der heute in Herne im Ruhrgebiet lebt und dort für den RV „St. Hubertus“ Herne Bochum-Gerthe trainiert und startet. Ruhig und bescheiden erzählt er von den olympischen Ehren, so wie es auch sonst seine Art ist.
Der Weg zum großen Sport war weit für den Landwirtsohn aus Zethlingen in Sachsen-Anhalt. Nachdem die Eltern ihren Hof an die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) verkauft hatten, lernte er das Fleischerhandwerk. Nebenbei ritt er in seiner Freizeit – mit zunehmendem Ehrgeiz und Erfolg. Das blieb auch den damaligen Sportfunktionären der DDR nicht verborgen. 1962 wurde Hellmuth Gille daher vom militärischen Leistung-sport-Stützpunkt „SC Dynamo Hoppe-garten“ in Neuenhagen bei Ost-Berlin angeworben. Er machte eine beeindruckende reiterliche Karriere: 1968 wurde er Deutscher Meister der DDR und 1970 Vizemeister in der Military. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde er 23. der Einzelwertung und holte mit der Mannschaft den fünften Platz. Für die Vielseitigkeitsreiter der DDR war es die letzte Olympiateilnahme: Die Nationalmannschaft wurde von offizieller Seite aufgelöst. Der Grund dafür war, dass die Reiter nicht genügend Medaillen gebracht hatten. „Für den Staat zählten damals nur Siege, keine Platzierungen“, erinnert sich Hellmuth Gille.

Lesen Sie den kompletten Artikel in der Ausgabe 04/2019 von Reiter & Pferde in Westfalen.