Hund & Co.

Besser mit Pflegestelle

Hu C 12-13 Besser mit Pflegestelle
Birgit de Fries mit ihren vierbeinigen Hausgenossen. (Foto: A. Gonzalez)

Seit rund zehn Jahren engagiert sich Birgit de Fries aus Warendorf-Milte im Tierschutz, kümmert sich um verwaiste Hunde, Katzen, Pferde und Esel. In dieser Zeit hat sie viel erlebt, Schönes, aber auch Schlimmes. In ihrem Haus hat sie nicht nur Tiere aus Deutschland aufgenommen, sondern auch aus Südeuropa. Oft ist sie auch Flugpatin für Hunde gewesen, die nach Deutschland zu einer Pflegestelle geschickt wurden.

„Es gibt viele Vereine, die wirklich seriös arbeiten und alle Vorkehrungen treffen, damit die Hunde in Deutschland noch ein glückliches Leben in einer neuen Familie haben können. Doch es sind auch schwarze Schafe in der Branche unterwegs, die zu wenige oder falsche Informationen über ihre Schützlinge herausgeben“, berichtet Birgit de Fries von ihren Erfahrungen.
Weil sie so viele problematische Fälle von Vermittlungen aus Südeuropa erlebt hat, arbeitet die 48-Jährige vereinsunabhängig. „Eine seriöse Vermittlung eines süd- oder osteuropäischen Hundes kann nur gelingen, wenn der Gesundheitsstatus möglichst genau bekannt ist und eine Aussage über die Sozialverträglichkeit des Kandidaten gemacht werden kann“, betont sie.
Im Klartext bedeutet das: Der Hund muss nachweisbar geimpft und mit dem blauen europäischen Impfpass ausgestattet sein, es müssen aussagekräftige Ergebnisse der Untersuchungen auf Mittelmeerkrankheiten vorliegen. Bei Welpen und Junghunden bis zu einem Jahr sind die Ergebnisse z. B. nicht aussagekräftig. Zudem sollte der Hund eine Zeit lang auf einer geeigneten Pflegestelle beobachtet worden sein, damit zuverlässige Aussagen über seinen Charakter und eventuelle Besonderheiten gemacht werden können. Voraussetzung dafür ist natürlich eine ausreichende Anzahl von geeigneten Pflegestellen, die von fast allen Vereinen händeringend gesucht werden.
„Vermittlungen vom Flieger in die neue Familie sind sehr risikoreich, denn die Hunde kommen häufig aus Auffang- oder Tötungsstationen. Nach diesen Extremsituationen sind viele Tiere traumatisiert. Man weiß also noch gar nicht, ob die Hunde mit Kindern, Katzen oder Besuch zurechtkommen oder ob man sich womöglich einen Problemkandidaten ins Haus geholt hat. Darum kommt Pflegestellen so eine große Bedeutung zu.“

Manche Hunde unvermittelbar

Birgit de Fries hat oft kranke oder alte Hunde zu sich genommen und weiß, wovon sie spricht. Auf ihrem Kotten mit eingezäuntem Garten mitten in den Milter Feldern leben derzeit fünf Hunde, 16 Katzen und zwei Ponys. Zur Familie gehören natürlich auch noch mehr Menschen: Tochter Ann-Sophie (14) und Ehemann Hans-Jürgen (67), die Birgit de Fries in allem unterstützen. „Wenn ein Hund vier bis acht Wochen bei uns ist, dann kann ich schon ziemlich genau sagen, was er braucht und dementsprechend die passenden Leute für ihn aussuchen.

Aber auch für Birgit de Fries gibt es Grenzen. „Nicht jeder Hund ist vermittelbar. Trotzdem werden sehr kranke oder aggressive Tiere immer wieder zu ahnungslosen Menschen gegeben, die dann ein Fiasko mit ihrem neuen Hausgenossen erleben. Der vermittelnde Verein erklärt sich dann manchmal nicht mehr für zuständig und lässt die Leute allein“, hat sie erlebt. Besonders die Mittelmeerkrankheiten werden oft unterschätzt, denn ihre Behandlung kann hier in Deutschland schnell ein paar Tausend Euro verschlingen, die Heilung ist häufig ungewiss.

In letzter Zeit scheint sich auch eine regelrechte Produktion von angeblichen Tierschutzhunden in südeuropäischen Ländern etabliert zu haben. Oder die Betreiber der Tötungsstationen haben den lukrativen Vermittlungsmarkt mit Deutschland für sich entdeckt und fangen die Hunde nun ein, um sie zu verkaufen. „Es wird ein Geschäft mit dem Mitleid der deutschen Touristen gemacht“, berichtet Birgit de Fries. Das Ergebnis ist dasselbe wie bei den berüchtigten Wühltischwelpen: Anstatt die Zahl der Hunde in Südeuropa durch Kastration zu verringern, werden immer mehr produziert, denn wo eine Nachfrage besteht, da entwickelt sich auch ein Angebot.
Daher die Empfehlung von Birgit de Fries an alle, die wirklich helfen wollen: „Schauen Sie genau hin, von wem Sie einen Hund aus dem Ausland übernehmen und lassen Sie sich nicht zu spontanen Mitleidsaktionen hinreißen.“
A. González