Zucht

Lineardaten für die Zuchtentscheidung

Illustration: Westfälisches Pferdestammbuch

Seit 2017 werden im Rahmen von Fohlenschauen, Stutbuchaufnahmen und Stutenleistungsprüfungen sowie bei der Hengstvorauswahl Fohlen, Stuten und Hengste direkt vor Ort mithilfe eines Tablets linear beschrieben. Insgesamt stehen 74 Exterieurmerkmale sowie jeweils sechs bis 16 Merkmale zur Beschreibung der Grundgangarten, des Springens, des Verhaltens und von Besonderheiten zur Verfügung. Ziel der linearen Beschreibung ist es, die charakteristischen Merkmale des vorgestellten Pferdes möglichst detailliert zu erfassen.

Während unauffällige, dem Populationsmittel entsprechende Merkmale mit einem Linearwert von null eingehen, werden auffällige Merkmalsausprägungen anhand einer dreistufigen Skala vom Mittelwert aus in die jeweilige Richtung (-3/+3) beschrieben. Dabei sind Abweichungen nach rechts oder links insbesondere bei den Exterieurmerkmalen nicht grundsätzlich als gut oder schlecht einzuschätzen.

Zwar ist ein edler Kopf einem derben Kopf vorzuziehen, aber weder ein besonders kurzer noch ein ausgesprochen langer Rücken gelten als Zuchtziel. Und insbesondere bei den Merkmalen zur Beschreibung der Korrektheit der Gliedmaßen gilt das Prinzip der „goldenen Mitte“. Dahingegen sind bei den meisten leistungsbezogenen Linearmerkmalen, etwa dem Raumgriff der Vor-/Hinterhand oder dem Springvermögen, positive Abweichungen vom Mittelwert wünschenswert.

Mehr als Wertnoten ...
Die aus der linearen Beschreibung eines Pferdes hervorgehenden Linearprofile gehen durch die Beschreibung von einzelnen Merkmalsaspekten weit über die Aussagekraft von Wertnoten hinaus. Dadurch werden den Züchtern, die die linearen Beschreibungen im Nachgang über ihren WestfalenOnline-Account abrufen können, objektive und transparente Informationen über ihre Zuchtprodukte an die Hand gegeben. Für eine bessere Übersichtlichkeit weisen die Linearprofile nur die Merkmale aus, die von der mittleren (=0) Merkmalsausprägung abweichen.

Durch die Vielzahl der inzwischen linear beschriebenen Fohlen und adulten Pferde ist es zudem möglich, weiterführende Analysen durchzuführen. Ein Ergebnis dieser Analysen sind sogenannte Nachkommenstatistiken, die die Abweichungen vom Mittelwert auf Grundlage der bisher beschriebenen Nachkommen der Hengste inform eines Balkendiagramms darstellen.

Diese sind umso aussagekräftiger, je mehr Nachkommen beschrieben wurden. Aber auch, wenn erst für eine geringe Anzahl an Nachkommen Lineardaten vorliegen, kann anhand der Nachkommenstatistik ein erster Eindruck von der Vererbung gewonnen werden. Gewisse Tendenzen lassen sich ablesen, gerade auch durch den Vergleich zwischen Hengsten anhand ihrer Nachkommenstatistiken.

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