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Schenkelbrand: Alte Tradition endet zum Jahresablauf

Wird ab 1. Januar nicht mehr verwendet: Das Brenneisen mit dem Brandzeichen Westfalens für den Schenkelbrand beim Fohlen.

 Bye bye Schenkelbrand, muss das Westfälische Pferdestammbuch zum Jahreswechsel 2018/2019 sagen. Das Brandzeichen mit dem Krönchen auf dem W wird es zukünftig nicht mehr geben. Jedenfalls nicht mehr frisch eingebrannt auf dem Schenkel der Fohlen. Denn mit Ablauf des Jahres endet eine Übergangsfrist für die Zuchtverbände, die das Setzen des Brandzeichens geduldet hat. Diese zeitlich begrenzte Ausnahmeregelung im Tierschutzgesetz wird es nun ab dem 1. Januar 2019 nicht mehr geben. Mit diesem Stichtag kann kein Zuchtverband mehr einen Heißbrand setzen, ohne sich laut Tierschutzgesetz strafbar zu machen.
Dabei ist der Brand mit dem glühenden Brenneisen durchaus nicht verboten. Aber er darf nicht ohne Schmerzausschaltung gesetzt werden. Diese Schmerzausschaltung beim Fohlen könnte ein Betäubungsmittel   erfüllen, das lokal auf die Hautstelle aufgetragen wird, auf der der Brand gesetzt werden soll. Doch ein solches Lokalanästhetikum, das für die Tierart Pferd und für den Zweck des Aufbringens auf die Haut zugelassen ist, gibt es derzeit nicht. „Wir hatten fünf Jahre Zeit, es hat bislang nicht funktioniert, aber wir waren dicht dran“, kommentiert Dr. Klaus Miesner, der Geschäftsführer des Bereichs Zucht bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) den Status quo bei der Suche nach einem geeigneten Medikament zur lokalen Schmerzausschaltung. „Ich kann nur jedem raten, das Brenneisen ab dem 1. Januar 2019 nicht mehr anzufassen“, stellte  er daher klar.
„Im Moment haben die Pferdezüchter noch kein passendes Medikament zur Verfügung, doch vielleicht gelangt ja in ein oder zwei Jahren eines auf den Markt", so Miesner weiter.
„Nur, wenn wir es nicht schaffen, eine geeignete Substanz für das schmerzfreie Setzen des Heißbrands zu finden, ist der Brand weg. Wir sollten aber den Klimmzug gemeinsam mit den deutschen Zuchtverbänden schaffen, den Brand zu erhalten“, bekräftigt Dr. Miesner. Der Schenkelbrand ist aus diesem Grund auch noch weiterhin in der gemeinsamen Zuchtverbandsordnung der deutschen Zuchtverbände (ZVO) verankert und wird nicht herausgenommen, erläutert er. Seiner Meinung nach sollten die Zuchtverbände das Setzen des Heißbrands auch nicht vorschnell aus ihren Statuten nehmen. „Diese Entscheidung müssen natürlich die Verbände treffen. Aber man kann die Verwendung des Heißbrands auch aussetzen, und dennoch in der Satzung belassen – für den Zeitpunkt, an dem das geeignete Medikament zur Verfügung steht.“

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