Ausbildung

Der richtige Dreh

Das innere Vorderbein beginnt – ganz gleich, ob beim Abwenden oder in der Pirouette. (Foto: B. Schnell)

Das Pferd lenken können, das wollen eigentlich alle Reiter. Wer aber aus dem „Lenken“ ein bewusstes „Wenden“ macht, erarbeitet sich schon früh eine solide Basis für spätere Lektionen. Und wer nicht nur die Lektionen um ihretwillen reitet, kann zum Beispiel mit der Vorhandwendung bereits einen Schritt in Richtung Schulterherein machen.

„Gutes Reiten fängt mit der Verbesserung und Vervollkommnung des Einfachen an“, erklärt Jan Nivelle. „In der Erarbeitung der Details liegt für mich später die Perfektion. Und das Wissen um die Details zeigt mir die richtige Vorbereitung. Und daraus kristallisiert sich der richtige Ausbildungsweg heraus.“ Für den Grand-Prix-Trainer fängt die Arbeit zum Beispiel für Pirouetten schon damit an, dass der Reiter sich bewusst macht, wann er das Pferd geradeaus reitet und wann er es wendet. Hört sich erst mal simpel an, aber schon eine einfache Übung wie das Carré (siehe rechts) macht klar: So leicht ist es gar nicht! Letztlich ist nämlich ein Kurzkehrt oder eine Pirouette eine potenzierte Wendung – ein „Das-Pferd-Wenden“ in Perfektion.

Dazu lohnt es sich, das Wenden durch die Ecke einmal unter die Lupe zu nehmen. Das Pferdebein, das eine Wendung einleitet, ist das innere Vorderbein. Dabei ist es ganz gleich, ob eine Ecke ausgeritten wird, auf die Diagonale abgewendet oder eine Pirouette geritten wird. Das innere Vorderbein ist das erste, das die gerade Spur verlässt.

Ob aus diesem ersten Schritt nur ein Abwenden aus der geraden Spur oder der Beginn eines Kurzkehrt oder einer Pirouette wird, entscheiden dann die Bewegungen, die die anderen drei Beine des Pferdes ausführen: Gehen sie weiter in der Spur, oder kreuzen die Vorderbeine, und die Hinterbeine bilden dabei einen kleinen Kreis? Sprich: Eine gute Abstimmung mit dem Pferd in diesem ersten Abwenden zu erarbeiten ebnet schon in den Anfängen der Ausbildung den Weg für später immer technischer werdende Lektionen.
Es lohnt sich also, regelmäßig das Carré zu reiten. Dabei ist Nivelle wichtig, dass das Pferd dabei vor den treibenden Hilfen geht und der Reiter zum einen die Wendung in Stellung und Biegung reitet, aber auch sehr darauf achtet, dass das Pferd nicht über die Schulter wegläuft.
 

„Tatsächlich fördert schon diese einfache Übung die Beweglichkeit der Schultern beim Pferd“, erklärt Jan Nivelle. „Außerdem bekommt der Reiter ein besseres Gefühl dafür, wie es um die Geraderichtung und die Balance des Pferdes steht. Er kann hier sehr gut fühlen, auf welche Seite sein Pferd kippt und über welche Schulter es eher weglaufen möchte. Als lohnendes Ergebnis geht mit dieser Übung einher, dass die Pferde besser in die Selbsthaltung und in eine symmetrische Anlehnung kommen.“

Schon hier zeigt sich, dass dem Ausbilder der gymnastizierende Wert einer Lektion wichtiger ist als die Form: „Der Wert einer Lektion misst sich meines Erachtens daran, inwieweit sie die Bewegung oder die Beweglichkeit eines Pferdes verbessert und beides miteinander in Interaktion setzt. Sonst handelt es sich nur um die Karikatur einer Lektion.“ Jede Lektion, und insbesondere die vorbereitende Arbeit hierzu, soll der besseren Athletik des Pferdes dienen. Die gute Ausführung der Lektion ist dem untergeordnet, bzw. ein Resultat dieser Athletik und einer feiner werdenden Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.

Das Aufgabenheft der Leistungsprüfungsordnung (LPO) sortiert es klar und schnell. Ab Klasse L und M werden Kurzkehrt und Hinterhandwendungen gefordert. Ab Zwei-Sterne-M-Niveau spricht man von Schrittpirouetten, die aus dem versammelten Schritt geritten werden, und ab Klasse S kommen die Galopppirouetten dazu. Je nach Schwierigkeitsgrad Viertelpirouetten, halbe und ab Zwei-Sterne-S ganze Pirouetten.
Jan Nivelle erklärt aber auch, welchen späteren Wert eine Vorhandwendung hat, auf welche Details Sie bei der Hinterhandwendung achten müssen und wie Sie sich nach und nach vorsichtig an die Pirouetten heranarbeiten können. Sylvia Sanchez

Lesen Sie den kompletten Artikel in der Juli-Ausgabe von Reiter & Pferde in Westfalen.

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