Was passt in‘s Pferdemaul?

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(Foto: J. Toffi)

Was ist der Unterschied zwischen einem geraden und einem anatomisch geformten Gebiss, wie wirkt ein doppelt gebrochenes Gebiss, welche Vorteile haben „Turnado“, „Golden Wings“ oder „Happy Mouth“ –und gehört eine Babykandare wirklich in Kinderhände? Unsere Experten helfen bei der Gebiss-Auswahl.

Im Reitsportgeschäft funkelt häufig eine ganze Wand in verschiedenen Bronze- und Silbertönen. Dort hängt das Herzstück einer jeden Trense: das Gebiss. Die Vielfalt der Gebisse ist riesig, und über ihre unterschiedlichen Wirkungsweisen gibt es ebenso viele Mythen, damit räumen wir auf. Denn die Frage nach dem richtigen Gebiss ist keine Glaubensfrage.
Lesen Sie, wie die verschieden geformten Gebisse auf Zunge, Gaumen und Kiefer einwirken und welche Rolle das Material dabei spielt.

Kein Platz im Maul

Die Dicke des Gebisses hängt vom individuellen Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer des Pferdes ab. „Im Allgemeinen geht man von einem inneren Abstand zwischen 3,5 cm und 4 cm zwischen Ober- und Unterkiefer aus“, erklärt Martin Plewa, Leiter der westfälischen Reit- und Fahrschule. Das ist nicht viel, wenn bedacht wird, dass die Zunge natürlicherweise das komplette Maul des Pferdes ausfüllt. Bekommt das Pferd ein Gebiss in das Maul gelegt, wird die Zunge zusammengedrückt. Je dicker das Gebiss ist, desto stärker drückt es die Zunge ein.

„Die Unterkieferäste sind scharfkantig. Wenn das Gebiss auf der Zunge liegt, drückt es die Zunge auf die Unterkieferäste. Schmerz an der Zunge empfindet das Pferd demnach von unten“, veranschaulicht Martin Plewa die Wirkungsweise des Gebisses. Ein Gebiss sollte deshalb nie zu dick gewählt werden. Drückt das Gebiss nämlich zu stark auf die Unterkieferäste, also die Knochen, kann dies genauso zu einem Problem werden, wie scharfkantige Haken auf den Zähnen.  
Je schmaler das Gebiss gewählt wird, desto schärfer ist es. Ein schmaleres Gebiss wirkt punktueller ein. Die wirkenden Kräfte verteilen sich also auf eine kleinere Flächen, und üben auf diese Stelle mehr Druck aus. Als Faustregel lässt sich festhalten, dass der punktuelle Druck viermal so groß ist, wenn das Gebiss um die Hälfte schmaler ist.

Halten wir fest: Ein dickes Mundstück ist zwar milder, findet aber auf einer dicken Zunge oder in einem zierlichen Pferdemaul zu wenig Platz und verursacht automatisch Druck. Dünnere Gebisse sind zwar grundsätzlich schärfer, können aber für Pferde mit wenig Platz im Maul angenehmer sein.

Sabine Wiemann

Lesen Sie den kompletten Artikel in der Ausgabe 1/2013 von Reiter & Pferde in Westfalen.