Porträt

Die Überfliegerin

Anna-Lena und Timo Niehues leiten den Reiterhof Rüenberg in Gronau. Foto: A. González

Anna-Lena Niehues ist fast selbst noch etwas erstaunt, dass sie bei der Weltmeisterschaft in Herning für das deutsche Para-Dressurteam am Start sein wird. Die Pferdewirtschaftsmeisterin aus Gronau ist seit 2017 infolge einer Tumor-OP am Rückenmark in Höhe der Halswirbelsäule inkomplett querschnittgelähmt. Betroffen sind der rechte Arm und das rechte Bein.

Vor ihrer OP war die 37-Jährige, die zusammen mit ihrem Mann Timo Niehues in dritter Generation den Reiterhof Rüenberg führt, im Dressursport bis zur Klasse S** erfolgreich. „Da will ich auch wieder hin“, ist sie sicher. „Man ist aber natürlich schon eingeschränkt“, berichtet die Grade IV-Reiterin. Bei den Para-Wettkämpfen und auch im Regelsport darf sie durch den Sportgesundheitspass magnetische Steigbügel verwenden. „Das hilft mir, das rechte Bein zu kontrollieren“, hat sie festgestellt. Einen ersten Start in einer S-Dressur mit ihrem Para-Dressurpferd Quimbaya hat sie bereits absolviert. „Wir hatten 65 %“, erzählt sie und man merkt ihr an, dass sie damit noch nicht zufrieden, ist.

Nach der Operation
2017 war das Jahr der Zäsur in Anna-Lena Niehues‘ Leben. „Ich wachte aus der Narkose auf und konnte eigenständig atmen“ erinnert sie sich an die ersten Momente nach der OP. Natürlich war sie erleichtert, denn eine Komplikation ihrer Behandlung hätte eine Beeinträchtigung des Atemzen-trums sein können – darüber hatten die Ärzte mit ihr gesprochen. „Aber meinen rechten Arm spürte ich gar nicht mehr, mein rechtes Bein war nicht zu steuern“, so ihre erste ernüchternde Bestandsaufnahme. Zu allem Überfluss gab es dann noch Komplikationen, die Anna-Lena Niehues länger im Krankenhaus festhielten, als vorhergesagt.

Doch davon ließ sich die ehrgeizige junge Frau nicht einschüchtern. „Ich wollte so schnell wie möglich wieder selbstständig sein“, erzählt sie. Bereits in der Klinik begann sie mit Physiotherapie, eine befreundete Ergotherapeutin kam zudem mehrmals pro Woche und übte mit ihr. Bei der Rehabilitation in Duisburg musste Anna-Lena Niehues das Laufen neu erlernen. „Auch mit allem anderen tat ich mich schwer“, erinnert sie sich. Nach der langen Zeit des Liegens hatte sie Kreislaufpro-bleme, war schwach. „Um dann wieder fit zu werden, muss man hart arbeiten.

Wer schon mal lange lag, der kann das nachvollziehen. Muskeln bauen sich sehr schnell ab, viel schneller, als wieder auf. Aufstehen ging nicht, ich brauchte für alles Hilfe. Davon wollte ich so schnell wie möglich weg! Ich bin sehr dankbar, dass es so viele Menschen um mich herum gab, die mir geholfen haben. Für mich stand jedoch fest, dass ich irgendwann alles wieder alleine schaffe“, beschreibt sie ihren damaligen Gemütszustand. Erst viel später, da ritt sie bereits wieder, erfuhr sie von der schlechten Prognose, die die Ärzte ihr allerdings verheimlicht hatten.

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